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Uwe Jahn: Der im Büro schläft

Jenfelder Allee, Fußballverband, zwei Plätze, eine Halle, ein schmuckloses Büroklötzchen. Hier fußballern ganz sachlich ungefähr 15 Leute – und Uwe Jahn. Der 54-Jährige Fußballlehrer ist kein Siegenthaler, aber trotzdem eine Art Fußballprof. Ein Besuch.

 

 

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Viele Augen schauen auf ihn. Zu ihm da vorne. Denn der spricht über Fußball. Spieltaktik, Trainingsformen, Talentförderung. Er kritzelt rote und blaue Kreuze auf ein großen Papierblock, malt mit dem Finger Laufwege. Für die meisten Zuhörer die hier in der Ausbildung zum Kinder- und Jugendtrainer sitzen ist das „ganz schön viel Stoff.“ Zehn Tage Schulbank drücken, zehn Stunden am Tag zuhören – einige Bald-Trainer meinen: „Anstrengender als Arbeit“.

Für den 54-jährigen Fußballlehrer Uwe Jahn, der mit Berliner Schnauze vorne den Ton angibt, ist jenes Programm Joballtag.

Jahns Operation: Aus Spielern bessere Spieler machen, aus Spielern neue Trainer formen und aus Trainern noch bessere Trainer schaffen. Schon zwölf Jahre ist er beim Verband als Vollzeitlehrer im Einsatz.

„Ich bin jeden Tag hier, selbst Samstags und Sonntags.“ Manchmal schläft er sogar in seinem Büro. Sagt er und findet es nicht schlimm. Er hat sich vor zehn Jahren extra ein Bett reinstellen lassen. Das steht direkt neben seinem Schreibtisch. „Oft arbeite ich bis tief in die Nacht, studiere Aufstellungen, plane die Termine der sieben Hamburger Auswahlmannschaften. Da lohnt es nicht noch nach Hause zu fahren.“ Und selbstverständlich hat so einer auch eine Sekretärin. Die Monika Lehmhagen.

Offiziell ist Jahn  nur „Verbandssportlehrer“. Er beschreibt seinen Traumjob aber selber und viel lieber so: „Ich bin Trainer, Coach, Talenteberater, Manager, Verwalter. Ich bin alles!“

Jahn weiß viel über Fußball. Manchmal zu viel. Auch deswegen können wir uns in den zwei Stunden mit ihm kein einziges Mal über ein einziges Thema ausführlich unterhalten. Über 2000 (!) Bücher hat er gelesen – die meisten waren mit Fußball gefüllt.

„Fußball frisst dich auf“, sagt er und meint „vor allem zeitlich“. Für das nächste Jahr hat er keinen freien Termin mehr. Arbeits-, Urlaubszeiten – „Meine Jahre sind komplett durchgeplant.“ Manchmal wirkt er wie ein unermüdliches Duracell-Männchen. Schaffen, schaffen, schaffen – bloß nicht müde werden. Jahn: „Ich bin Profi, erledige meinen Job sehr gerne. Auch wenn ich nicht bei jedem Termin frisch bin.“

Anderes Thema: Ziege, Bäron, die Kovac-Brüder, Trochowski, Ramelow, Rahn, Klasnic. In 30 Jahren als Fußballtrainer hat Jahn die heutigen Stars schon als junge Talente gesehen. Mit Rangnick, dem Vorzeige-Professor, hat er zusammengearbeitet. „Oh, der Rangnick“, sagt er einmal angetan, „der war immer so konsequent. Und junge Leute zu formen – das konnte er schon immer.“

Ihm gefällt diese moderne Fußball-Art. Dabei zählt er selbst zur Kategorie „Altgediente“, ist schon ewig im Geschäft. 30 Jahre nämlich. Da erwartet man nicht selten einen altklugen Besserwisser. „Wenn einer sowas meint, soll er das ruhig denken. Aber ein bisschen was verstehe ich schon von Fußball.“, sagt er trotzig.

Uwe Jahn (54) ist seit 1996 Fußballlehrer beim Hamburger Fußball Verband, vorzugsweise für die Talentförderung tätig. Zuvor arbeitete der Berliner bei Blau-Weiß 90 Berlin, Tennis-Borussia Berlin und für den Berliner Fußballverband. Jahn hat Biologie und Sport auf Lehramt studiert. Er ist seit 16 Jahren verheiratet, hat zwei Kinder und interessiert sich für Literatur, Theater und Reisen.

Benny Semmler

Papa, Blogger, Mitgründer FRISCHER FILM, Seniorenspieler USC Paloma, Mitglied UnterstützerClub des FC St. Pauli, Towers-Fan und Gotnexxt.de-Follower.