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dreitagebuch: sie robben, ich sneijder

alle gegen harry jurkschat

Nachdem der Vorhang des ersten Teil des dreitagebuchs fiel, schüttete es Beifall. Bin ich ja irgendwie gar nicht gewohnt. Dicken Dank dafür.

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Für die, die noch nicht wissen worum es geht (die anderen starten bei der Uhrzeit) gibt’s hier eine Mikroeinleitung: Ich, Harry Jurkschat, trainiere gerade Zehnährige an der Socceracademy. Tja, und ich hatte noch nicht viele Jobs in meinem Leben – jedoch ist dieser besonders steinig. Los geht’s.

Handyfoto: Der nackte Meisterwahnsinn

Bin heute morgen ziemlich zuversichtlich. Die Namen der Linos und Noahs sitzen. Kann also nur besser werden. Und ruhiger. Gestern war sicher eine Ausnahme. Wäre aber trotzdem schon schön, wenn die Eltern den ganzen Tag bleiben könnten. Machen sie aber nicht. War ja auch klar. Schließlich sind sie froh, dass ich mal drei Tage übernehme. Es kann anscheinend nur einen geben. Mich.

Mittwoch

10.00  Uhr: Mist. Alle 25 Kids sind wieder da. Leider antworten alle mit „nein“, als ich frage, ob jemand vom ersten Tag kaputt ist. Nochmal Mist.

10.10 Uhr: Turnier. Sechs Mannschaften. Max will nicht mit Anton spielen. Anton hat ihn gekniffen. Mehrmals. Und Johann will nicht mit Theodor spielen. Theodor hat nämlich geboxt. So wie sonst Noah.

10.11 Uhr: Lino hat andere Sorgen. Es geht nicht darum mit wem er spielen muss, sondern ob er überhaupt mitmachen will. Erstmal Raupe füttern und dann gucken wir weiter. Ach und apropos Noah (hat übrigens ghanesische Wurzeln).

10.15 Uhr: Erstes Foul auf Platz drei. Noah steht und lacht. Moritz liegt und weint. Wir sehen viele Taschentücher. Aber keine Tore. Gestern wollte niemand mit Noah spielen. Heute will nicht mal jemand gegen die Wuchtbrumme aus Kumasi spielen. Ich habe 24 Probleme. Und NOAH!

10.30 Uhr: Auf Platz drei läuft nur noch Noah. Der Rest liegt. Auch die Jungs aus Noahs Mannschaft. Wenigstens hat einer Spaß. Und das muss man ihm lassen – unsere oft so ruppige Ellbogengesellschaft scheint für ihn wie ein Wattebausch.

10.35 Uhr: Pause. Trinken. Pinkeln. Dann wieder kommen.

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10.40 Uhr: Das zweite Spiel ist angepfiffen und Lino holt erstmal Wasser und verlässt kommentarlos den Platz Die Pause war zu kurz. Moritz geht pinkeln. Er wollte ohnehin nicht mit Luca spielen.

11.00 Uhr: Abpfiff. Noah ist Sieger. Der Jubel ist überschaubar.

12.02 Uhr : Ich versuche einen nächsten Wettbewerb zu erklären.

12.07  Uhr: Der Erste hört zu.Dann kommt die Trillerpfeife. „Wer sich hinsetzt und zuhört, bekommt später ein Eis.“ Wie schnell Kinder sein können. Und wie ruhig. Yes, sie sind käuflich.

12.34 Uhr: Mittagspause! In der gesäuberten Victoria-Klause. Bei Putengeschnetzeltem gibt’s keine Sauereien. Dachte ich.

13.00 Uhr: Fussballquiz Teil zwei. Die Jungs wollen lieber Kungfutritte üben statt zu rätseln.

13.01 Uhr: „Denkt an euer Eis!“ Alle sitzen. Bestechung ist auch Selbstschutz.

13.30 Uhr: Ich kaufe 25 Calippo-Eis.

13.40 Uhr: Man sieht nun, dass da auf der Tribüne Eis gegessen wurde. Nur wer? Verpackung da, Täter weg. Vielleicht haben die Kinder auf dem Rasen ja was gesehen.

13.45 Uhr: Noah kann’s nicht gewesen sein. Mit Steinen in beiden Händen kann man schwer Eis schlecken.

14.00 Uhr : Nächste Einheit. Alle machen mit und sind ruhig. Da ist was im Busch.

14.30 Uhr: Außer kleinen Weinereien und Boxeinlagen von Noah nichts schlimmes. Was planen die Quengelgeister (gesprochen: Kwänglgaistä)? Den Trainer stürzen? Oder haben sie tatsächlich Spaß an den Spielen?

15.00 Uhr: Na also. Rudelbildung. Noah gegen die Kinderwelt. Jetzt geht’s zu wie bei Howard Webb und Arjen Robben. Ich verkleide mich als Wesley Sneijder und gehe dazwischen. Nach neun Minuten. Das tut ihm mal ganz gut. Noah weint. Die Konkurrenz grinst.

16 .03 Uhr: Die Retter, ähm Eltern, kommen. Der Körper hat Feierabend. Der Kopf schreit noch Stunden später.

der erste tag: lino weint und pommes sind gesund

Harry Jurkschat

Seit Gründung mit auf dem brennenden BTB-Rasen. Im Gegensatz zu Semmler ist Jurkschat smart. Eine Mischung aus Mehmet Scholl und Günter Netzer. Der ewig 31-Jährige Insiderexperte harmoniert sich von Meppen bis Kiel, ist der Ausbügler und Staubsauger in der 2. Reihe. Dazu kommt aufgrund internationaler Fussball-Erfahrung (6 Länderspiele für Deutschland) Know-How im Wesentlichen. Manko: Bisweilen zu symphatisch und häufig mit den Sekretärinnen beschäftigt.