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mit shapou in der schanze

mit amir shapourzadeh in der schanze

Amir Shapourzadeh hat Sommerpause. Und er flaniert durchs Schanzenviertel. Das tut er nämlich gerne. Denn fernab der Millionenmetropole Teheran genießt er den besonderen Geschmack dieses Stadtteils. Wir trafen einen reifen Typen.

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btb: Sie spielen seit einem Jahr in Teheran Fußball. Dort leben knapp 18 (!) Millionen Menschen. Jetzt schlendern wir durch die fast familiäre Schanze. Wie geht’s Ihnen dabei?
Amir Shapourzadeh:
Überragend. Ich bin in Hamburg aufgewachsen, meine Freunde und die Familie leben hier, Hamburg ist Heimat. Und diese Ecken wie die Schanze vermisse ich einfach.

btb: Das nette Frühstücken an der Straße wahrscheinlich.
Shapourzadeh: Ja genau. Der Portugiese unten an der Schanzenstraße ist zum Beispiel mein Favorit. Dort sitzen, essen, reden und gucken – ich mag das einfach. Die Atmosphäre ist einzigartig. Hier sind Studenten, Leute mit viel Geld, Leute mit weniger Geld. Solche Plätze sind rar.

btb: Hat Teheran eine Schanze?
Shapourzadeh: Nein. In Teheran gibt es keine Szeneviertel. Wir haben zwar Ecken mit vielen Restaurants – aber das war’s. Es gibt ja auch keine Discotheken und Clubs. Insofern ist die Schanze schon toll.

btb: Lassen Sie uns einen kurzen, sportlichen Abstecher machen. Glauben Sie, dass der Wechsel zu Azin Steel Teheran ein Fehler war?
Shapourzadeh: Mein Ziel war es 30, 34 Spiele zu machen. Ich wollte wieder wichtig für eine Mannschaft sein. Dieses Gefühl ging mir in Deutschland verloren. Daher der Wechsel. Klar, die Profis hierzulande werden himmlisch betreut. Aber ich spiele mit Leuten wie Mehdi Mahdavikia, Ferydoon Zandi oder Ali Karimi zusammen, bei einigen Auswärtsspielen sind 80.000 Zuschauer im Stadion und Teheran hat 16 Tageszeitungen, die über Fußball berichten. Glauben Sie mir, so ganz ohne ist es dort auch nicht.

btb: Ich habe gehört, Sie haben einen Chauffeur. Das klingt ja schon nach großem Fuß…
Shapourzadeh:
Fast alle neuen Spieler haben einen Fahrer, der sie zum Training fährt und wieder abholt. Das ist im Grunde nichts besonderes. Der Verkehr in Teheran ist einfach so gigantisch und chaotisch – als Stadt-Neuer wird man verrückt. Schauen Sie, oftmals brauchen wir 90 Minuten zum Training. Würde ich fahren, wäre ich auf dem Platz platt.

btb: Wann fahren Sie für immer zurück nach Hamburg?
Shapourzadeh: Das kann ich nicht sagen. Ich bin jetzt 27 und will unbedingt noch ein paar Jahre auf anständigem Niveau Fußball spielen und natürlich auch Geld verdienen. In Teheran klappt beides. Und die großen deutschen Vereine werden wohl nicht mehr bei mir anklopfen. Aber das ist okay. Ich bin glücklich. Und die Menschen im Iran mögen mich. Was will ich mehr.
Das Gespräch führte Benny Semmler.

Amir Shapourzadeh kam in der letzten Saison für Azin Steel Teheran auf 28 Einsätze und traf vier Mal. Mit acht Assists war er außerdem drittbester Vorbereiter der Liga.

Benny Semmler

Papa, Blogger, Mitgründer FRISCHER FILM, Seniorenspieler USC Paloma, Mitglied UnterstützerClub des FC St. Pauli, Towers-Fan und Gotnexxt.de-Follower.