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VfB am Boden: Die Insolvenz-Chronologie!

Keine Zuschauer, keine Mannschaft, kein Geld und keine Zukunft. Der traditionsreiche VfB Lübeck steht kurz vor dem totalen Absturz in die Bedeutungslosigkeit. Die „Lübecker Nachrichten“ arbeiteten die letzten Jahre und Wochen der Marzipanstädter auf und diagnostizieren: Ohne einen Großinvestor ist der Knock-Out kaum vermeidbar.

„Wir kleben nicht an unseren Posten. Wir schmeißen auch nicht einfach hin. Wir sehen aber unsere Glaubwürdigkeit nicht mehr gewährleistet“, betonte Holger Leu, der mit Uwe Walter seit November 2010 dem Klub vorsteht und satzungsgemäß erst 2013 ausscheiden wird.

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„Wir sind sportlich am Tiefpunkt angekommen“, sagte Leu. „Aber eine Zahlungsunfähigkeit liegt nicht vor.“ Dennoch ist die Lage äußerst prekär. In den vergangenen  Jahren konnte der Etat (derzeit 1,1 Millionen Euro) nie ausgeglichen werden. Die Schulden betragen aktuell rund 700 000 Euro, obwohl der Klub die Gehälter der Spieler (momentan 1000 Euro im Schnitt) in den vergangenen Jahren immer weiter gekürzt hat. Auch durch das Einbrechen der Zuschauerzahlen könnten die Verbindlichkeiten bis zum Saisonende auf eine Million Euro steigen.

Die Frage, wie lange der VfB bei den wenigen Zuschauer- Einnahmen noch durchhalten könne, beantwortet Leu schon präziser: „Wir würden das ein, zwei Spielzeiten nicht mehr schaffen.“ Einen kleinen Einblick ins Zahlenwerk gewährt der Vorstandssprecher: „Allein an Energiekosten geben wir im Jahr über 200 000 Euro aus.
Das sind 20 Prozent des Etats.“

Sportliche Fragen, ob nicht über die Entlassung von Trainer Ramazan Yildirim und Sportmanager Ingo Popp nachgedacht werden müsse, blieben fast unbeantwortet.
„Wir werden nicht über Yildirim und Popp reden. Eine Beurlaubung bringt keine Erleichterung.“ Dann legt Leu („Wir sind ja quasi Frischlinge“) doch noch nach: „Die Verantwortung trägt der Vorstand, ich in erster Linie. Ich habe Yildirim und Popp geholt. Wenn, dann ist dafür nur Holger Leu zu kritisieren.“

Die Chronologie zur Pleite:
9. April 2008: Der damalige Präsident Wolfgang Piest stellt beim Amtsgericht Lübeck den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Als Verwalter wurde
der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Mark Zeuner bestellt. Der damalige Schuldenstand: rund vier Millionen Euro.

31. März 2010: Das Insolvenzverfahren ist beendet. Dennoch drücken Schulden. 123 587 Euro müssen an die 81 Gläubiger gezahlt werden (Quote: 3,75 Prozent), der Insolvenzverwalter erhält 180 000 Euro (Rückzahlung in Raten über zehn Jahre).

30. Juni 2010: Die Saison schließt mit einem hohen sechsstelligen Minus ab. Gesamt-Minus 611 000 Euro. 31. Dezember 2010: Die Schulden sinken minimal auf 573 000 Euro.

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September 2012: Die Schulden sind auf rund 700 000 Euro gestiegen.

Quelle: Lübecker Nachrichten

Immerhin: Am Wochenende überraschte der VfB sportlich. Gegen die U23 des VfL Wolfsburg gewann die Yildirim-Truppe 1:0. Ob die Punkte am Ende der Saison jedoch etwas wert sind?….

Harry Jurkschat

Seit Gründung mit auf dem brennenden BTB-Rasen. Im Gegensatz zu Semmler ist Jurkschat smart. Eine Mischung aus Mehmet Scholl und Günter Netzer. Der ewig 31-Jährige Insiderexperte harmoniert sich von Meppen bis Kiel, ist der Ausbügler und Staubsauger in der 2. Reihe. Dazu kommt aufgrund internationaler Fussball-Erfahrung (6 Länderspiele für Deutschland) Know-How im Wesentlichen. Manko: Bisweilen zu symphatisch und häufig mit den Sekretärinnen beschäftigt.