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Frank Buschmann im Interview: "Da krieg ich Ausschlag"

„Raab beobacht den Football-Hype sehr genau“

Frank Buschmann, die personalisierte Stimme des Basketballs, macht mittlerweile auch im Football eine sehr gute Figur. Am Sonntag wird „Buschi“ zum dritten Mal den Superbowl kommentieren. BLOG-TRIFFT-BALL erreichte ihn in New York. Neben Lachern gab es die ein oder andere klare Aussage des Fachmanns und ein Tipp, den Seahawk-Fan Hilbrecht nur allzu gerne unterschreiben möchte.

 

Herr Buschmann, schön dass Sie sich in New York Zeit für uns nehmen. Sie haben zuletzt eine sehr interessante Karikatur über Ihre sozialen Kanäle gepostet. Muss man als Sportreporter einfach ein gewisses Maß an Selbstironie besitzen?
Muss man absolut. Ich ärgere mich nicht über so etwas, ich freue mich eher. Da steckt doch eine sehr lustige Idee dahinter, deshalb habe ich auch sehr geschmunzelt. Im Gegensatz zu den 90 Prozent der anderen TV-Journalisten kann ich durchaus über mich selber lachen.

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Apropos soziale Kanäle. Legen ihre Sender Pro7 und Sat1 darauf wert, dass Sie Formate bewerben, oder sind sie da weiterhin vollkommen ungebunden was den Inhalt ihrer Posts angeht?
Meine sozialen Kanäle betreibe ich komplett nach meinem Willen. Wenn jemand mir eine Anfrage schicken würde die beinhaltet für irgendetwas auf Facebook Werbung zu machen, dann würde ich diese sofort ablehnen. Natürlich poste ich viele Sendungen, aber das sind Sendungen die ich halt sehr gespannt verfolge. Sicherlich ist da auch Eigenwerbung dabei, das will ich ja gar nicht verleugnen.

Die Gefahr beseht, dass es vielen Fans zu viel wird.
Ich weiß, dass einigen das zu viel wird mit den Fernsehempfehlungen. Aber ich kann es halt nicht jedem recht machen. Hier in New York werde ich aber aufmerksam von Stefan beäugt, der schaut nämlich genau hin was ich mache. Ihm sind meine Social Media-Aktivitäten ein wenig suspekt, da er ja eine Person ist, die sein Privatleben schützen möchte.

Kommen wir zum Superbowl. Haben Sie als 49ers Sympathisant schon die bittere Niederlage gegen die Seahawks verdaut?
Es war ja verdient für die Seahawks, da darf man sich keine Illusionen machen. Natürlich hätte ich mich auch über einen Finaleinzig 49ers gefreut, mit denen ich aufgrund ihrer traditionsreichen Geschichte sympathisiere. Aber richtig enttäuscht war ich jetzt nicht, dafür ist schließlich die Vorfreude auf den Superbowl viel zu groß. Im Nachhinein kann ich nur sagen: Das Seahawks-Niners Spiel war der absolute Oberkracher und Ähnliches erhoffe ich mir natürlich für das Finale am Sonntag.

War es vielleicht ein Fehler Ihre Sympathie zu den 49ers im Vorfeld zu offenbaren?
Ich glaube nicht dass es ein Fehler war. Ich finde dass Jan Stecker und ich das Spiel ausgesprochen fair kommentiert haben und das auch die starken Szenen der Seahawks entsprechend gewürdigt wurden. Natürlich gab es im Netz einige, die mich als Fanboy bezeichnet haben, im Endeffekt war die Resonanz auf unsere Übertragung überwiegend positiv. Das war übrigens nicht immer so. Nach unserem ersten Superbowl in Indianapolis vor zwei Jahren, gab es berechtige Kritik von Fans, aber auch unter uns.

Verraten Sie uns Ihren Tipp?
Vorab, bisher gingen meine Tipps allesamt daneben. Insofern habe ich schlechte Nachrichten für die Seahawk-Fans. Ich tippe nämlich auf Seattle. Ich denke, dass die Secondary um Sherman und Co. Manning stoppen wird.

Sie gelten als sehr emotionale Person, die sich oft möglichst authentisch präsentiert. Ging Ihnen das viel diskutierte Sherman-Interview zu weit oder würden Sie sich gar mehr „Shermans“ im Sport wünschen?
Ich kann nur jeden sagen: Versetzt euch doch einfach in seine Situation. Da macht er mit einer Riesenaktion den Einzug in Superbowl für seine Mannschaft klar, dass auch noch in einem Duell, wo sich beide Spieler nicht das Schwarze unter den Fingernägeln gönnen und wird dann direkt nach Abpfiff zur Reporterin zitiert. Wer kann ihn denn vorwerfen so emotional zu reagieren? Das sind doch einfach Emotionen die jeden Sport doch erst richtig ausmachen. Ich persönliche fand das Interview sehr unterhaltsam und es war vor allem eines. Echt.

Ich habe letztens eine Übertragung von den NBA-Finals 1996 gesehen, als das DSF live aus der Key Arena in Seattle übertragen hat und Sie direkt vor Ort waren. Fehlen Ihnen die NBA und das Reisen durch die Staaten?
Da bin ich mir wirklich nicht sicher. Natürlich kommen Erinnerungen hoch. Ich war ja am Sonntag im Madison Square Garden beim Basketball mit drei Redakteuren die ich eingeladen hatte, da kommt einiges zurück ins Bewusstsein. Allerdings bin ich mittlerweile Familienvater und in einem biblischen Alter angelangt, da wären die Reisestrapazen wohl etwas zu viel des Guten. Ich hatte Angebote die NBA nachts regelmäßig aus Deutschland zu kommentieren, aber auch das ist zu stressig unter der Woche und reizt mich zugegeben nicht mehr. Dennoch bin ich froh, für Spox am Sonntag zu einer angenehmen Zeit Spiele begleiten zu dürfen. Was mich reizen würde wären die NBA-Finals, dann allerdings nur direkt vor Ort. Vor zweieinhalb Jahren beim Triumph von Dirk Nowitzki hatte sich ja fast so eine Option kurzfristig ergeben, allerdings kurze Zeit später wieder zerschlagen.

Sie sind mit Stefan Raab unterwegs. Bekommt er seine täglichen Nachhilfestunden in Sachen Football oder ist er dort mittlerweile gewohnt topinformiert?
Nuppis. Der Raab hat mal überhaupt keine Ahnung von dem Sport. Der weiß denke ich gar nicht was da genau vor sich geht, aber das ist auch nicht das Entscheidende. Er ist sehr interessiert und beobachtet diesen Hype ganz genau. Das ist doch toll, dass sich so ein Fußballverrückter jetzt so für den Football und seine Nebenerscheinungen interessiert. Mit der Livesendung aus New York leistet er auch einen großen Beitrag für den Sonntag, weil er damit bestimmt noch den ein oder anderen für das gigantische Spektakel begeistern kann. Fakt ist auch: Ohne sein Interesse wäre unsere Klassenfahrt nicht zu Stande gekommen.

Zum Abschluss: Woran erkennt man in New York am leichtesten, dass am kommenden Sonntag das größte Spiel der Welt stattfindet?
Im Gegensatz zu New Orleans und Indianapolis ist der Bowl hier noch gar nicht so in allen Ecken präsent. In Footballtrikot kann man bei dem Wetter auch nicht wirklich rumlaufen, dafür ist es viel zu kalt. New York ist was das angeht natürlich eine besondere Adresse, da die Stadt viel zu groß ist, um von einen einzigen Ereignis dominiert zu werden. Kommt man jedoch zum Broadway, dann ist da richtig Rammelbammel. Da dominiert der Football ganz eindeutig, die bauen sogar wegen des Winterbowls eine riesen Rodelbahn auf. Ein paar Blocks weiter ist davon allerdings nichts mehr zu sehen.

BUSCHMANN IM INTERVIEW: DA KRIEG‘ ICH AUSSCHLAG!

Hannes Hilbrecht

Wenn Hannes Hilbrecht nicht mittwochabends im Studentenkeller Moscow Mule trinkt, schreibt er für u.a. für ZEIT ONLINE, BLOG-TRIFFT-BALL oder seine HERMES-Bundesliga-Kolumne. Ab September ist sein Blog onewaytoseattle.com online. Sein Ziel: Auswandern in die schönste Stadt der Welt. Die ersten Schnipsel aus seinem ersten Roman-Projekt „W“ gibt es gratis dazu.