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FC Mecklenburg: „Es gibt in Schwerin eine Skepsis.“

Der FC Mecklenburg Schwerin ist der große Hoffnungsträger des Schweriner Fußballs. Ein fünfköpfiges Team soll dabei den Weg zum höherklassigen Fußball ebnen. Mit zwei Ex-Hanseaten ist prominente Unterstützung bereits fest im Boot verankert.

 

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Die Sportwelt in der mecklenburgischen Landeshauptstadt schreibt immer wieder Erfolgsgeschichten. Über Jahre hinweg pendelte mit dem SV Post Schwerin eine Handballmannschaft zwischen Bundesliga und Unterhaus, seit einigen Jahren übernehmen die Volleyballerinnen des Schweriner SCs die Rolle des Publikumsmagneten. Dem Abonnementmeister aus der Volleyballbundesliga gelingt es sogar, auf internationalem Parkett für Furore zu sorgen.

Über den Fußball wurde hingegen in den vergangenen Jahren nur selten gesprochen, fast konnte man den Fußball als Nonkonformist in der Schweriner Sportwelt beschreiben. Doch seit dem letzten Frühjahr stehen die Chancen gut, dass sich das schon baldigst ändert. Der FC Mecklenburg, entstanden aus einer Fusion des gleichnamigen Fördervereins mit dem Verbandsligisten FC Eintracht Schwerin, soll die Schweriner wieder vom runden Leder begeistern.

FOTO: Martin Pieckenhagen trainiert die
Torhüter des FCM im türkischen Side

Damit dies den Wünschen entsprechend gelingen kann, haben sich die Verantwortlichen für ein besonderes Kompetenzteam entschieden. Während andere Vereine die sportliche Leitung in einer, oder maximal zwei Personen bündeln, stellte sich der FCM gar fünffach in dieser Verantwortlichkeit auf. Während ein lokaler Unternehmer sich um pekuniäre Aspekte kümmert, versucht der Vereinspräsident Reinhard Henning die Kanäle in die kommunale Politik zu pflegen. Interessant werden jedoch die sportlichen Verantwortlichkeiten. Das Dreigestirn um Martin Pieckenhagen, Uwe Brauer und Jens Dowe soll den sportlichen Kurs in erfolgreiche Bahnen lenken.

Uwe Brauer kommentiert die vielschichtige Kompetenzverteilung in der sportlichen Leitung bei BLOG-TRIFFT-BALL: „Wir sind alles Teamplayer. Wir haben uns bewusst breit aufgestellt, damit jeder seine Stärken besonders einbringen kann“, so Brauer. So kümmert sich unter anderem der ehemalige Hansa-Filigranspieler Jens Dowe um die Gegnerbeobachtung und das Spielerscouting.

Dabei ist der Verein sportlich auf einen guten Weg. In der sechsklassigen Verbandsliga Mecklenburg-Vorpommern belegen die Orange-Gelben den vierten Platz, der Kontakt zum Tabellenzweiten aus Wismar ist auf Tuchfühlung hergestellt. Lediglich der Ligaprimus aus Waren spielt derzeit in seiner eigenen Liga. Für dem Sportvorstand, der sein Kompetenzteam im Vereinsgremium vertritt, ein solider Start: „Wir sind nicht unzufrieden. Wir dürfen ja nicht vergessen, dass wir in unserer ersten Saison sind. Jetzt ist es wichtiger, die Grundlagen für die Zukunft zu legen.“

Eben jene Zukunft sieht der Klub aus der Landeshauptstadt in der Oberliga, wie Brauer deutlich macht: „Für uns ist die Oberliga natürlich enorm wichtig. Vor allem weil wir dann sehen können, was aus der Wirtschaft nachkommt.“ Für die Bestrebungen des Fußball-Projektes ein äußerst relevantes Thema. Schließlich strebten bereits mehrere Projekte eine Wiederetablierung des erfolgreichen Fußballs in der Großstadt an, alle sollten sie jedoch scheitern.

Brauer bekennt: „In Schwerin gibt es eine gewisse Grundskepsis gegenüber dem Fußball, die müssen wir überwinden.“

Ein Vorbild haben die Schweriner indes schon gefunden, doch kommt dieses keineswegs von der Rostocker Warnow, sondern ist im Osten zu Schwerin angesiedelt. Die TSG Neustrelitz, die mit großen Schritten in Richtung Drittliga-Relegation drängt, macht Brauer für die Zukunft mächtig Mut, wie er zum Abschluss des Gespräches erklärt: „Wir sehen doch in Neustrelitz, was mit viel Akribie und Leidenschaft möglich ist.“

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.