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Anna-Sara Lange

Anna-Sara Lange über Guardiola & Ibrahimovic

Sky-Fieldreporterin Anna-Sara Lange spricht acht Sprachen fließend – die Kommunikation auf den sozialen Netzwerken ist ihr dagegen suspekt. Bei BLOG-TRIFFT-BALL spricht die 31-Jährige erstmals über ihr Sprachtalent, erklärt Pep Guardiolas Verhalten in Interviews und verrät, wieso sie eine Abneigung gegen Twitter hat.

Credit: Sky / A. Hoffmann

 

Fru Lange, Se schnacken söben Sproken fleetend. We süht dat mit jem Plattdüütsch-Kenntnissen ut?
Ganz schlecht (lacht). Das habe ich gerade noch verstanden. Ich komme zwar aus Norddeutschland, aber sprechen kann ich es nicht.

Ihr Name ist vielen Fans in Deutschland spätestens seit dem Champions-League-Spiel zwischen Bayer 04 Leverkusen und Paris St. Germain ein Begriff. Sie interviewten erst Zlatan Ibrahimovic auf Schwedisch und anschließend seinen Trainer Laurent Blanc auf Französisch. Fußballdeutschland fragt sich: Welche Sprache sprechen Sie eigentlich nicht?
Viele. Kein Mensch kann alle Sprachen sprechen! Ich würde sagen, dass Sprachen neben dem Fußball meine zweite Leidenschaft sind. Ich habe in Schweden Sprachen studiert und später Sportjournalismus in Spanien. In jedem Land, in dem ich gelebt habe, war es mein Anspruch, die Sprache zu beherrschen. Neben Deutsch, Schwedisch, Spanisch und Französisch ist das Englisch und Italienisch. Wer Schwedisch spricht ist natürlich auch bei Norwegisch und Dänisch mit dabei.

Die WM 2018 findet in Russland statt, 2022 geht es wahrscheinlich nach Katar. Dort wird sich vor Allem auf Arabisch, aber auch auf Persisch, Urdu und der indoarischen Sprache verständigt. Sind Sie schon am Lernen?
Muss ich das jetzt auch noch lernen? Ab und zu denke ich tatsächlich schon mal daran, was als Nächstes ansteht. Aktuell habe ich aber gar nicht die Zeit, mich alleine zu Hause hinzusetzen und eine Sprache zu lernen. Eine Sprache lebt dadurch, sie zu sprechen, gerade Redewendungen für den Alltag lernt niemand in der Theorie. Trotzdem befürchte ich, dass es mit meinem Russisch bis dahin nichts wird. Eine asiatische Sprache wäre vielleicht noch eine Lebensaufgabe.

Wie wichtig sind Fremdsprachen in ihrem Beruf überhaupt?
Das ist natürlich ein großer Vorteil für mich. Gerade wenn ich in der Champions League unterwegs bin, kann ich mit fast jedem Spieler auf seiner Landessprache ein Gespräch führen. Wir müssen uns nicht dem Englischen bedienen, damit fühlt sich auch nicht jeder Spieler wohl.

Dann haben Sie sich bestimmt besonders gefreut, als Pep Guardiola nach Deutschland gekommen ist?
Ich habe mich generell gefreut, dass Guardiola in die Bundesliga kommt. Er wird ja immer als der beste Trainer der Welt gehandelt. Ich war interessiert zu sehen, ob und wie das funktioniert. Man kannte ihn ja nur vom FC Barcelona. Bayern München ist der erste Klub, den er seit seiner Ära dort übernommen hat. Ich war neugierig zu sehen, ob es möglich ist, die Triple-Bayern noch besser zu machen. Allgemein mache ich es aber nicht von Interviewpartnern abhängig, ob ich mich auf ein Spiel freue.

Vor ihrer Rückkehr 2012 nach Deutschland haben Sie in Frankreich in einer Sendung über die deutsche Bundesliga berichtet. Wie ist ihr Eindruck, wie wird der deutsche Fußball in Frankreich wahrgenommen?
Die Bundesliga hat schon in den vergangenen Jahren einen richtigen Boom erlebt – insbesondere noch mal durch das deutsch-deutsche Finale in der Champions League. Eurosport 2 hat ja auch die Rechte für die Bundesliga im Ausland. Dort habe ich zusammen mit Steffen Freund von jedem Freitagspiel in der Bundesliga berichtet, auf Englisch – das war immer ein sehr großer Spaß. Die Bundesliga wird in Frankreich schon sehr hoch angesehen. Die französische Liga ist im Vergleich nicht so stark.

Wie funktioniert die TV-Berichterstattung in anderen Ländern? Gibt es große Unterschiede zu Deutschland?
Klar! Es ist ein Vorteil, dass ich weiß, wie in anderen Ländern Fernsehen gemacht wird. Zum Beispiel kennen die Spanier Interviews mit den Trainern vor dem Spiel nicht – auch nach Abpfiff ist das ein wenig anders. Die Reporter haben zudem eine andere Interviewtechnik: Es werden keine Fragen gestellt, sondern eher Dinge in den Raum geworfen, auf die der Trainer dann kurz antwortet. Wenn man so etwas weiß, dann weiß man auch, worauf man sich bei ausländischen Spielern oder Trainern einstellen sollte. Bei Pep Guardiola ist mir das auch aufgefallen. Gerade am Anfang hat man gemerkt, dass die deutschen Medien für ihn ungewohnt waren. Bei Guardiola gibt es manchmal ganz kurze Antworten – eben weil das in Spanien so ist.

Wer Ihre Einsätze genau verfolgt, entdeckt Sie nicht nur bei internationalen Spielen oder in der Bundesliga, sondern wird feststellen, dass sie auch in der 2. Bundesliga zu sehen sind. Haben Sie eine Lieblingsmannschaft?
Ja, natürlich bin auch ich Fan von einem Verein. Es spielt im Job aber keine Rolle. Während meiner Zeit in Spanien habe ich bei Real Madrid gearbeitet, war ehrlich gesagt aber immer Barcelona-Fan. Wenn die Katalanen zu Gast waren und ich im VIP-Bereich gearbeitet habe, musste ich immer in die Küche gehen, um zu jubeln, wenn sie ein Tor geschossen haben. Ich bin in der Nähe von Braunschweig aufgewachsen, deshalb unterstütze ich regional gesehen auch die Eintracht. Ich war ja dabei, als sie in die Bundesliga aufgestiegen sind. Das war für alle vor Ort natürlich ein tolles Erlebnis. Und deshalb hoffe ich bis zum Schluss, dass sie es schaffen, die Klasse zu halten.

Die berühmte Bierdusche bei der Aufstiegsfeier im letzten Jahr…    
Genau. Wir haben das natürlich im Kopf gehabt, dass Braunschweig mit einem Sieg in Ingolstadt den Aufstieg in die Bundesliga perfekt machen konnte und wir hatten auch eine Interviewposition unter dem Dach des Stadions vorbereitet. Dadurch, dass es aber bis zur Nachspielzeit 0:0 stand, haben wir beschlossen, mit der Sendung doch unten auf dem Rasen zu bleiben. Aber dann gab es in der 92. noch den Freistoß – und der Aufstieg war perfekt. Vor laufender Kamera habe ich zwei Bierduschen bekommen. Ich musste am Abend noch nach Hoffenheim fahren, da ich dort am nächsten Tag im Einsatz war. Die Kollegen haben mich alle gewarnt, dass ich in Bayern besonders aufpassen müsse, weil die Polizei bei Alkohol am Steuer allgemein als strenger gilt. Ich meine: Welcher Polizist hätte mir die Geschichte geglaubt? Dass ich nur in Bier geduscht, aber nichts getrunken hatte?

Wen haben Sie lieber im Interview: Edmond Kapplani und Friedhelm Funkel oder Arsene Wegner und Zlatan Ibrahimovic?
Das ist ganz egal. Fußball ist Fußball. Am Anfang stehen sich elf gegen elf gegenüber und du weißt nicht, was passiert. Gut – es sei denn der FC Bayern München spielt (lacht). Natürlich bin ich neugierig auf Ibrahimovic. Wie ist der? Wie reagiert er auf meine Fragen? Es gibt ja schon viele Geschichten über ihn. Anderseits gibt es auch coole Jungs in der 2. Liga, mit denen ich immer wieder gern spreche.

Stellen Sie einem Zlatan Ibrahimovic andere Fragen?    
Nein. Es gehört sich für mich, jeden Spieler gleich zu behandeln. Ob Superstar mit einem Gehalt von 30 Millionen oder eben weniger in der 2. Bundesliga. Ich finde, Respekt ist das Allerwichtigste. Ibrahimovic habe ich gefragt: „Zlatan? Wir warten in Deutschland auf dich. Wann kommst du?“ Ein paar Wochen zuvor gab es ja dieses Video, in dem er Jürgen Klopp am Rande der Weltfußballerwahl fragt: Wann holst du mich nach Deutschland?, Darauf hat er mit Humor reagiert, aber leider wird er nicht kommen. Wenn ich andersherum der Meinung bin, dass ich kritische Fragen stellen muss, dann mache ich das auch. Das ist schließlich mein Job.

Als der FC Arsenal in der Champions League zuletzt in München angetreten ist, haben Sie nach dem Spiel mit Arsene Wegner gesprochen. Franz Beckenbauer sagte scherzhaft, dass er sogar besser Deutsch als Englisch spreche. Waren Sie verwundert, dass er Ihnen nicht auf Deutsch geantwortet hat?
Das war vorher so abgesprochen. In London haben wir das Interview auf Deutsch gemacht, als er diesmal zu uns kam, habe ich ihn gefragt, auf welcher Sprache er das Interview führen möchte. Und er hat sich für Englisch entschieden. Dass die Fragen auf Deutsch kamen, war auch so vereinbart – er versteht es ja trotzdem und wir haben so Zeit gewonnen, weil ich nicht alles übersetzen musste.

Wo Sie dagegen gar nicht zu finden sind, sind die sozialen Netzwerke wie Twitter und Facebook. Wieso nicht?
Für die Arbeit ist das natürlich nützlich. Viele Sportler twittern ja schon ihre Verletzung, wenn sie auf der Trage vom Platz gebracht werden (lacht). Ich persönlich bin aber nicht allen Neuen Medien so zugetan. Ich finde es schöner, wenn man persönlich miteinander spricht, als sich mit Nachrichten zu bombardieren.

Gehört es als moderner Journalistin nicht dazu sich ein bestimmtes Image anzueignen?
Ja, aber ich muss mir das Image ja nicht auf Twitter aufbauen. Was man da manchmal so liest, ist auch nicht immer positiv für den Verfasser. Da werden Sachen aufgegriffen, die einem dann negativ ausgelegt werden. Mit Fans kommuniziere ich auch so viel. Immer wenn ich ins Stadion komme, unterhalte ich mich mit vielen Leuten. Es ist angenehmer, wenn ich ein Gesicht dazu habe.

Bekommen Sie trotzdem mit, was über Sie geschrieben wird?
Natürlich bekomme ich das mit, einiges wird mir auch erzählt. Ich bin aber weit davon entfernt, mich regelmäßig selbst zu googeln. Ich habe ja eine ganze normale Facebook-Seite, die die Leute auch entdecken und mir schreiben. Die ist nicht versteckt, nur eben keine Fanseite. Allerdings kann ich gar nicht allen Leuten antworten, so viele Zuschriften habe ich allein auf dieser Seite. Einerseits will ich natürlich mit Fans kommunizieren, andererseits ist es eben auch Realität, dass es gar nicht zu schaffen ist – zudem muss ein bisschen Privatsphäre auch sein. Mir ist es wichtig, dass die Leute mich als das sehen, was ich bin – nämlich eine Sportjournalistin. Es geht nicht vorrangig um mich, sondern um die Spieler, die Trainer und die Vereine.  Aber wenn meine Arbeit den Leuten gefällt, dann freut mich das natürlich sehr.

Wenn Sie ihre freie Zeit nicht im Netz verbringen. Was machen Sie stattdessen gerne?
Ich treffe gerne Freunde, die ich selten sehe, weil ich viel unterwegs bin. Oder eben auch einfach mal auf dem Sofa sitzen und nichts tun. Sport mache ich gerne – auch wenn auf Reisen nicht viel Zeit bleibt. Oft denke ich dann, morgen früh könnte ich ja noch mal joggen gehen, aber meistens wird daraus nichts.

Heute früh schon joggen gewesen?
Nein (lacht).

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Finn Clausen