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„Marteria hat das gut formuliert“

Björn Achenbach, in Hannover lebend und im kulturellen Betrieb der Stadt tätig, erfüllte sich mit seinem Buch „Hansa ist mein Leben“ einen Traum. Bei BLOG-TRIFFT-BALL sprach der gebürtige Rostocker über den Entstehungsprozess seines Werkes „Hansa ist mein Leben“, berichtet von besonderen Gesprächen und dem Fan-Dasein in Hannover.

Foto-Credits: Katrin Ribbe

 

Herr Achenbach, am 1. Juli ist Ihr Buch: „Hansa ist mein Leben“ erschienen. Wie erleichtert waren Sie, als das Werk endlich draußen war? Bei einer Buchveröffentlichung kann schließlich viel passieren.
Es ist natürlich eine enorme Erleichterung, ein Glücksgefühl, dass es jetzt veröffentlich wurde. Fast vier Jahre lang habe ich parallel zum oft hektischen Berufsalltag an dem Buch gearbeitet und mir dabei bewusst den Luxus der Langsamkeit gegönnt. Weil das einfach kein Projekt werden sollte, das durch Zeitdruck und überhöhtes Tempo an Substanz verliert.

Die Entstehung eines Buches ist meistens ein sehr langwieriger Prozess. Wie und wann kam die Idee zu diesem Projekt?
Die Idee verfolgte mich schon etwas länger. Ich bin ja gelernter Journalist und habe bereits zu Oberligazeiten für die damalige Tageszeitung „Der Demokrat“ über den F.C. Hansa berichtet. Ausgangspunkt war ein Beitrag von mir für „Spiegel Online“ im Sommer 2007. Die Reihe, in welcher der Artikel erschien, hieß „Glaubensbekenntnisse“. Dort haben mehr oder minder prominente Fans eine Art Ode an ihre Mannschaft geschrieben – und ich eben über Hansa. Dadurch hatte ich „Blut geleckt“. Und weil sich am Horizont das 50-jährige Vereinsjubiläum abzuzeichnen begann, entschloss ich mich, meine Leidenschaft in diesem Projekt zu bündeln.

Und wie oft wollten Sie die Flinte ins Korn werfen?
Es gab sicherlich Momente, die sich als schwierig erwiesen. Gerade am Anfang, noch ohne Verlag und Verein im Rücken, gehörten auch Zweifel dazu. Dennoch war für mich immer klar, dass ich dieses Projekt verwirklichen werde. Die Art der Veröffentlichung war zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht absehbar. Als mein Wunschverlag Hinstorff und schließlich auch der Verein mit im Boot waren, hatte ich die wichtigsten Interviews längst geführt.

Sprechen wir ein wenig mehr über den Inhalt. Was mir am Buch am besten gefällt ist die Tatsache, dass neben den bekannten Größen auch Personen zu Wort kommen, die nicht jeder auf dem Zettel hatte. Welches Treffen hat im Vorfeld die meiste Vorbereitung verschlungen?
Das waren schon die Recherchen über das Fanzine „Frösi“ und das dazugehörige Interview mit dem damaligen Mitherausgeber Veit Spiegel. Um das Thema angemessen würdigen zu können, wollte ich vorher jede Ausgabe der „Frösi“ noch einmal lesen. Das allein hat Monate gedauert. Anders als bei den Interviews zum Beispiel mit Frank Pagelsdorf oder Stefan Beinlich, bei denen ich die Fragen größtenteils schon im Kopf hatte, musste ich bei dieser Geschichte noch weiter zurückgehen.

Waren diese Gespräche auch die speziellsten?
Ich glaube, dass jedes Gespräch auf seine Art speziell war. Manchmal war es eher der Rahmen, die Atmosphäre, in der ein Interview stattfand, manchmal die Substanz, die daraus gewonnen wurde. Das Gespräch mit Juri Schlünz war beispielsweise sehr sachlich und nüchtern, ist im Ergebnis inhaltlich aber sicher eines der stärksten. Mein persönliches Highlight war die Begegnung mit Rainer Jarohs. Er war zu meiner Jugendzeit der Star bei Hansa – und ist ein Idol geblieben. Wobei wir heute ganz entspannt und auf Augenhöhe miteinander reden.

Besonders interessant und mehrmals in Gesprächen angeklungen ist das „verhasste“ Verhältnis vieler Hansafans zum FC St. Pauli. Man könnte meinen, das Thema wäre Ihnen wichtig gewesen.
Absolut. Ich finde sportliche Rivalität total okay, das macht doch den Fußball aus. Gerade den Spielen gegen St. Pauli habe auch ich immer extrem entgegengefiebert. Allerdings kann ich mich mit Hass und Gewalt nicht identifizieren. Marteria hat das im Buch schon ziemlich gut formuliert, wenn er sagt, dass jeder seinen Verein da präsentieren soll, wo er herkommt und er niemanden nur wegen seiner Herkunft hassen könne.

Am Ende steht ja ein Buch, in dem die Großen und „großen“ Kleinen zu Worte kommen. Auffallend: Es wirkt sehr regional – warum hat es beispielsweise kein „Schwede“ in das Werk geschafft?
Neben Hansa-Helden wie Jarohs, Schlünz, Pagelsdorf oder Beinlich, die bereits in meinen ersten Überlegungen gesetzt waren, gab es natürlich noch viele andere Optionen. Manches hat sich erst im Rahmen der Arbeit ergeben, beispielsweise das Porträt über Hansas Ex-Manager Herbert Maronn. Die Wertschätzung, mit der Maronn von ehemaligen Mitstreitern für seine Arbeit während der zehnjährigen Bundesliga-Ära bedacht wurde, machte mich einfach neugierig. So wurde dieses Kapitel von den Erzählungen der vorherigen Interviewpartner inspiriert. Auch ein Peter Wibran als „erster Schwede“ wäre natürlich eine super Idee gewesen. Am Ende haben sich jedoch einfach andere Entwicklungen im Entstehungsprozess des Buches ergeben.

Als Sie mich baten, Ihr Buch zu rezensieren und mir dabei den Namen des Werkes mitteilten, habe ich bei „Hansa ist mein Leben“ an eine Art Roadmovie-Literatur gedacht. Geworden ist es ein sehr inhaltfreudiges Werk, dass das Zeug zum Schulbuch hätte, wäre „der FC Hansa“ Bestandteil des Lehrplanes an Schulen. War das von Anfang an das Ziel?
Ein Hansa-Buch im „Roadmovie-Stil“ wäre ein spannender Gedanke. Gerade, weil der Fußball so viele Geschichten schreibt und zusammenführt. Allerdings sehe ich mich nicht als glaubwürdig genug an – dafür war ich in den letzten Jahren zu wenig unterwegs. Am Ende ist „Hansa ist mein Leben“ genauso geworden, wie ich es mir erhofft habe. Das Buch erzählt die Geschichte des F.C. Hansa – generationenübergreifend, informativ und unterhaltsam, aber nicht anhand ellenlanger Statistiken, sondern durch Schilderungen von Zeitzeugen.

Ich habe meine erste Erwartung, das Hansa-Roadmovie, nicht umsonst in die vorherige Fragestellung eingebaut. Sie leben in Hannover, arbeiteten zuvor sehr lange in Leipzig. Die Wege zum FC Hansa sind also nicht unbedingt kurz.
Ja, deshalb verfolge ich die Spiele meist über das Fanradio. Neben den Reisen in die alte Heimat mache ich aber auch immer wieder besondere Auswärtsspiele mit. Das Match bei RB Leipzig im ehemaligen Zentralstadion war nicht nur sportlich und von der Brisanz her anziehend, sondern auch privat etwas Besonderes. Ich habe schließlich 22 Jahre in Leipzig gelebt und praktisch um die Ecke gewohnt. Dort mit Tausenden Hansafans einen solchen Sieg zu feiern, hat mir sehr viel bedeutet.

» Zur Buchrezension „Hansa ist mein Leben“

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.