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Das Überliga-Hamburg-Powerranking

Der Puls schießt in die Höhe, die Hamburger Titelblätter kennen nur noch ein Thema, Bier en masse, doppelte Cola-Rum-Mischungen an jeder Eckkneipe im Überfluß und damit Herzlich willkommen zum Oberliga-Power-Ranking. It’s Showtime! Die größte aller kleinen Überligen startet heute.

Fotos: noveski.com

1. Dassendorf
Ohne Fehltritte marschierte der aktuelle Oberligameister durch die letzte Saison. Und im Sommer wurde nochmal ordentlich verpflichtet. Profi- und Fastprofi-Spieler wechselten an den meisterlichen Wendelweg. Meistertrainer Schönteich ist entsprechend stolz nach der gelungenen Optimierung: „Jetzt haben wir auch Breite.“ Deswegen heißt’s auch in dieser Spielzeit: Dassendorf gegen alle.

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2. SC Condor
Condors Spieler müssen das Saisonziel auch morgens um 3 Uhr im Tiefschlaf draufhaben: 60 PUNKTE! 60 PUNKTE! 60 PUNKTE! Jene magische Zahl hat ihnen der Trainer nun ins Blut gespritzt. Denn die mageren 58 Zähler aus dem Vorjahr sollen endlich getoppt werden. Für diesen Auftrag ließ man sich sogar einen Stefan Winkel nach Farmsen transportieren. Klarer Fall: Condor schafft am Ende die 60 Punkte und gönnt sich als Vizemeister erneut eine mitreißende Spielzeit.

3. TSV Buchholz 08
Ebbers, Patschinski, Agyemang – Nöö! In der Nordheide richten’s die Jungs von nebenan. Das beste Oberliga-Rückrundenteam der vergangenen Saison höhenfliegt auch in dieser Spielzeit und bestätigt die These: Erfahrung vor Talent. Mit maroden 28 Jahren Altersschnitt (Stammelf!) ist das Haltbarkeitsdatum des Titze-Teams zwar so gut wie abgelaufen, aber 2014/2015 kann, dank der gezielten Verstärkungen, nochmal viel passen.

4. SC Victoria
Der Patient Victoria lag im Sommer gleich mehrfach beim Zahnarzt auf der Matte und ließ sich nach und nach jedes faule Stück aus dem Gebiss ziehen. Gleich zwölf Versager hat das umtriebige Management nach dem Abstieg aussortiert. Rekord! „Am neuen Kader lass ich mich messen“, beißt Notarzt Sven Piel nun allerorts in die Presseblöcke, der sagenhafte 14 Neue holte. Trotzdem: Trotz Marius-Ebbers-Verpflichtung reicht’s nicht für die Top-3.

5. Altona 93
Wilde Hengste, Fuckfinger, Gröhlmucke, extrem erfolgreich. Das war Altona 93 irgendwann bevor es Facebook gab. Heute hüpfen aalglatte Jungs a là Benjamin Heinrich über die Weide an der Griegstraße. Knorrige Typen wie Kindler, Rohrberg, Leuthold, Thiessen – alle WEG. Die neuen Punker-chen heißen Helmer, Keyser und Niemeyer – und Jakob Sachs. „Trotzdem“: Der AFC wird trotz Pokalblamage (AUS in der 1. Runde) eine solide Saison spielen und mit Platz 5 nach Hause fahren.

6. Niendorfer TSV
Die Könige der Konstanz (seit Jahren Tabellensiebter) ließen es verhältnismäßig ruhig auf dem Transfermarkt angehen. Lediglich das Kommen von André Lämmerhirt erfreute den Chefeinkäufer Scholz. Noch gigantischer wurde nur der Verbleib von Ebi Utz gefeiert. Der beste Einkauf in den vergangenen 20 Jahren am Sachsenweg wird – trotz HSV-Flirtereien – „erstmal“ Niendorfer bleiben. Auch deswegen gibt der NTSV – wie jedes Jahr eigentlich – übergroße Ziele aus. Nur dieses Mal klappt der Vorstoß in die Top 6 tatsächlich. Auch weil Utz sagt:  „Wir sind eingespielt. Wir können an unseren 4. Rückrundenplatz aus der letzten Saison anknüpfen.“

7. SV Halstenbek-Rellingen
Ziemlich sanft hat sich HR verstärkt: Wieckhoff, Sottorf und Arboleda Sanchez sind gekommen und zusammen sollen sie abermals die kleinen aber durchschnittlichen Saisonziele einfahren. Sollte Halstenbek-Rellingen und Wundertrainer Bliemeister mit seinen weit über 75 Jahren orientierungsstark wie in der Vorsaison zu Werke gehen, steht einem sorg- und skandallosen Mittelfeldplatz nichts im Wege.

8. VfL Pinneberg
„Wir sind stärker als letztes Jahr“, kapitänt Tim Vollmer, dessen Team selten glänzt, aber im Vorjahr auf einen formidablen Platz 4 einfuhr. In der Tat wirkt die Qualität des VfL-Kaders auch in diesem Sommer erst auf den 5. Blick durch, doch erneut scheint der Branchenriese aus dem Hamburger Westen außerordentlich gut besetzt. Man weiß jedenfalls: Fischers Spielidee wird verstanden und bewährte sich im Oberliga-Alltag. Für die anstehende Spielzeit erwarten wir keine Steigerung, aber wieder eine einstellige Platzierung.

9. SV Rugenbergen
Nach einer tollen und vor allem offensiv-geprägten Spielzeit mit über 70 erzielten Toren ist die Vereinsform des Lebens erstmal dahin. Für die hochsympathische Truppe von Ralf Palapies geht’s ab August nur um die goldene Ananas, nicht um übereifrige Saisonziele. Auch weil die schwache Defensive schwach bleibt und bislang keine Verbesserungsmaßnahmen vorgenommen wurden. Noch dazu wird Megaangreifer Pascal Haase auch in den kommenden Wochen nur zugucken. Halt! Stopp! In dieser Sekunde wurde der Wechsel von Heiko Ansorge fix gemacht. Der Außenverteidiger ist nunmehr Fanliebling bei den Reds. Guter Deal! Schlusswort Palapies: „Wir sind eingespielt. Für mich ein Vorteil und kein Nachteil.“

10. SV Curslack-Neuengamme
Die Stinkstiefel-Mannschaft ist Geschichte. Torsten Henke, geht in seine 13. Saison als CN-Coach, hat mal so richtig ausgemistet und alle kleinen und großen Rabatzmacher zum FC Türkiye gejagt. Sorry Jungs! Stattdessen sollen Keklici, Siegmund und Ulaga die erfolgreiche Zeit am Deich so gut es geht fortsetzen. Die fetten Jahre sind aber mit Sicherheit vorbei. Sagt auch der Coach. „Ich sehe uns derzeit nicht im vorderen Drittel. Aber ich hoffe schon, dass wir im Mittelfeld dabei sind“,  so Henke auf „hafo“. Sehen wir ganz genauso. Und nach jeder Niederlage darf nun ja auch geträllert werden: Umbruch, Umbruch, wir sind doch im Umbruch …

11. HSV Barmbek-Uhlenhorst
Ganz sanft etabliert sich der Barmbeker mit seinem Team auch in dieser Saison im Hamburger Oberhaus, ehe in drei Jahren Richtung Regionalliga durchgestartet werden kann. Aus 40 Punkten in der letzten Saison soll die Ausbeute nun auf 50 katalysiert werden. Was Trainer Pieper gut macht: Die Entwicklung mit Augenmaß und Geduld vorantreiben. Das könnte in den kommenden Monaten dazu führen, dass „BU“ abermals einen wichtigen Schritt schafft. Und viel mehr gibt’s zu der Truppe erstmal auch nicht zu sagen.

12. FC Süderelbe
Die Paderborner der Oberliga Hamburg heben sich durch mannschaftliche Geschlossenheit und Teamgeist hervor, wurden von Jung-Trainer Jean-Pierre Richter (27 ist der erst!) zudem sensationell geführt und sind nun bereit für das große Abenteuer 5. Liga. Im Kampf gegen die Großen der Stadt geht Richter mit einem Altersschnitt von unter 22 auf die Reise. Und trotzdem: Alles andere als eine große Überraschung und Platz 12 wäre eine große Überraschung. Denkt an unsere Worte …

13. FC Elmshorn
Und plötzlich mogelte sich Type Bert Ehm zurück nach Elmshorn. Der Vater aller Fußballtrainer ist nun Kultmanager an der Wilhelmstraße und darf mit mittelmäßigen Finanzen eine noch mittelmäßigere Mannschaft zusammenbauen. Wenn wir ganz ehrlich analysieren würden, käme der FCE irgendwo unter Rang 16 ins Ziel. Aber das können wir Bert nicht anttun. Ähm, wie heißt der Trainer da eigentlich?

14. USC Paloma
Die Pokalbesten der Stadt haben sich gleich sechs (!) Mal beim auflösenden VfL 93 bedient und besitzen anno 2014 erneut eine mit Hauke Brückner und Olufemi Smith gestandene Männermannschaft. Abzuwarten bleibt die Anpassung auf das neue Heimgeläuf namens Kunstrasen. War Palomas Pfund doch seit jeher die braune Spielkotze, was so machnen Favoriten hat stolpern lassen. Fies: Der Anführer der Vierkette, Jan Savelsberg, ist mehr oder weniger in Fußballrente gegangen. Als savelsbergschen Lückenfüller hat sich Coach Krausz Trapp, Kramer oder auch Standby-Akteur Brückner ausgeschaut. So oder so, der Abstieg wird kein Thema sein.

15. Meiendorfer SV
In puncto Außendarstellung ist der MSV führend: Facebook – check! Twitter – check! Instagram – check! Mega Stadionheft – check! Vereinsseite -check! Ansonsten ging die Vorbereitung ergebnistechnisch nicht so richtig durch die Decke. Man darf auch gespannt darauf sein, wie Trainer Stuhlmacher seinen neuen launischen Haufen auf Kurs bringen wird, und wie sich die Rückkehrer Robert Subasic und Michael Sara in ihrer Komfortzone Meiendorf pushen können. Erschwerend kommt hinzu, dass mit Hannes Niemeyer der geilste Kapitän ever von Bord ging. Wir meinen: Dem Meiendorfer SV droht erneut ein Jahr mit mehr Niederlagen als Siegen.

16. Germania Schnelsen
Um sich in der Tabelle zu steigern, wurden auch am Riekbornweg zahlreiche Veränderungen vorgenommen. Alle Etat-Scheine fließen jetzt in den Angriff, wo Altstar Jürgen Tunjic (39 Jahre jetzt!) und Mauro D’Urso zwischen 5 und 24 Saisontoren alles zuzutrauen ist. Leichte Zweifel darf man bei der Zusammensetzung der Defenisve und dem nächstjährigen Klassenerhalt haben. Definitiv, trotz akribischer Maloche von Coach Flo Gossow, wird’s für Germania erneut ein Jahr auf der Rasierklinge.

17. Buxtehuder SV
Dieses Buxtehude hat eine verdammt überragende Landesliga-Saison hinter sich. 23 Siege bei 30 Partien, kann man machen. Das heißeste Ding scheint aktuell, nach Informationen von Szenekennern, Außenspieler Salim Aichaoui zu sein. Der 27-jährige Tunesier fiel in den Vorbereitungsspielen gleich mehrfach mit passablen Offensivaktionen auf und dürfte somit schon jetzt auf dem Weihnachtszettel von Jan Schönteich stehen. Vorbereitungstiefpunkt war hingegen das niederschmetternde 0:7 gegen den niedersächsischen Oberligisten Drochtersen/Assel. Und exakt dieses Gefühl wird alsbald Stammgast beim BSV.

18. SC Vier- und Marschlande
In den vergangenen Jahren hatte der SCVM kein Bock auf Abstieg oder „Gegner“ wie Blankenese und Bramfeld hinter sich. Die schwerste Überliga aller Zeiten spielt den Poschmann-Füßen aber nicht in die Karten. Die Folge: Die ewigen Außenseiter werden sich in diesem Jahr früh auf Landesliga eingrooven und viel Prügel ertragen müssen.

Benny Semmler

Mecklenburger. Sportjournalist. Fußballblogger. Basketballfreund. Hamburger. Pfannekuchenfan. Fahrradfahrer. Wostokbrausetrinker. Padthailiebhaber. Bukowskifan. Jetzt bei FRISCHER FILM. Superkrass.