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So wurde Meiendorf zum Startsieger

Die Oberliga-Hamburg hat zumindest kurzeitig einen echten Sensations-Tabellenführer. BLOG-TRIFFT-BALL sprach mit tadellosen Meiendorfern und ging bei Mathias Drast, dem sportlichen Leiter des MSVs, auf Stimmenfang.

 

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Das mit den Power-Rankings ist ja so eine Sache. Auch bei einem so auf Qualität gebürstetem Medium wie BLOG-TRIFFT-BALL, dass sich bei der Oberliga – beim Stand nach drei Spieltagen – ordentlich verzockt hat. Zumindest wenn es um den Meiendorfer SV geht.

Für die Rahlstedter prognostizierte BTB nämlich eine schauderhafte Saison, die am Ende mit den 15. Tabellenplatz einhergehen sollte. Die trockene Schlussfolgerung: „Dem Meiendorfer SV droht erneut ein Jahr mit mehr Niederlagen als Siegen.“

Nun, nach den ersten Oberliga-Wochen, kann man bilanzieren, dass die Mannschaft von der B75  alles dafür tut, um diese Prognose ad absurdum zu führen. Die Meiendorfer starteten mit drei Siegen, bezwangen mit Niendorf und Rugenbergen zwei arrivierte Oberligisten und blieben auch gegen Aufsteiger Buxtehude souverän. Die anerkennende Konsequenz: Neun Punkte aus drei Spielen – Tabellenführung!

Ein Umstand, den der Klub BLOG-TRIFFT-BALL bei Twitter vor Augen führte.

 

Von Groll ist beim Gespräch mit dem MSV jedoch nichts zu spüren, wieso auch, schließlich ist die Laune  beim Tabellenführer  prächtig. Nach Jahren, in denen der Oberligist eher wenig mit einer erfolgsversprechenden Prosperität zutun hatte.

Dabei kennt sich ein Meiendorfer mit dem betriebswirtschaftlichen Fachbegriff besonders gut aus. Mathias Drast, ehemals selbst als MSV-Akteur aktiv und im Hauptberuf als Finanzberater tätig, floskelt demnach entsprechend positiv: „Mit drei Siegen zum Saisonauftakt ist uns natürlich ein optimaler Start gelungen.“

Das „entsprechend positiv“ wandelt sich jedoch alsbald in großen Optimismus um, wie Drast, mittlerweile Sportlicher Leiter beim MSV, frohlockend bekennt: „Wir genießen den Moment! Und eines ist ja wohl klar, mit jedem Sieg wird die Brust langsam breiter.“

Worte, die an der B75 schon lange nicht mehr so offensiv gefallen sind. Auch wenn der letztjährige zwölfte Platz einem halbwegs soliden Resultat gleichkam, waren die Ziele bei den Schwarz-Gelben mal ganz andere. Mit Norderstedt, Altona 93 und der Hamburger Victoria wurden die Meiendorfer vor nicht allzu langer Zeit verglichen.

Dabei kommt der gute Saisonstart nicht  von ungefähr. Obwohl sich die Sommertestphase nicht durchgehend positiv gestaltete, hat sich eine Mannschaft mit hohem Teambewusstsein gefunden, wie der 34-Jährige gegenüber BLOG-TRIFFT-BALL erläutert: „Das Team ist extrem intakt. Auch in dieser Woche war ungeheuer viel Dampf im Training. Jeder merkt, dass er seinen Platz nicht sicher hat. Das kitzelt sicherlich ein paar Prozent mehr aus jedem heraus.“

Dass soviel Dampf im MSV-Training steckt, besitzt jedoch auch eine allzu logische wie plausible, aber in der Oberliga-Hamburg keineswegs standardisierte Ursache. Die Mannschaft trainiert fast immer in voller Besetzung, nie waren bisher weniger als 20 Akteure auf dem Platz. Die Folge: Eigentlich unabkömmliche Leistungsträgen, wie Michael Sara und Marcin Hercog, mussten sich zuletzt zumindest vorrübergehend mit der Reservistenrolle anfreunden. Andere vielversprechende Spieler, im Besonderen Issiaka Dosso und Kevin Trenel, stehen laut Drast erst am Beginn ihrer Leistungskurve.

Ein Umstand, der weitere Kausalitäten mit sich bringt. Die Mannschaft deutet in der Startphase der noch jungen Saison reichlich Potenzial in der Breite an, besitzt dadurch ein taktisch erweitertes Strategie-Sortiment. Bisher beherrscht die Truppe Umstellungen vom neumodischen 4-5-1 auf ein fast schon antiquiertes 4-4-2 nämlich mühelos. Drast lobend: „Da sind wir deutlich flexibler als im Vorjahr. Überhaupt spielen wir mutiger als noch vor einigen Monaten.“

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Bei allem Optimismus und der Freude über den bestmöglichen Saisonstart- die Füße bleiben „noch“ auf dem Boden. So wurde ein neues Saisonziel noch nicht anvisiert, es gilt die gleiche Erwartungshaltung wie vor dem Saisonstart: „Ein einstelliger Tabellenplatz bleibt das Ziel, wir werden nämlich noch Bruchlandungen erleben.“

Worte, die in Anbetracht des kommenden Spielprogramms weise gewählt sein könnten. Am 5. Spieltag wartet nämlich die erste ganz große Aufgabe auf dem MSV, schließlich gastiert dann Regionalliga-Verlasser Victoria im Meiendorfer Stadion. Ein Ligafavorit, den Drast auf einem ganz anderen Level erwartet. „Wir müssen uns keine Illusionen machen, Teams wie Victoria und Dassendorf sind noch sehr weit weg.“

Betonte Zurückhaltung also im Hamburger Nordosten „Auch das ist neu“, könnte man unken. Wir sagen lieber: „Wir sind gespannt, MSV!“

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.