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7:1! „Ohne Worte“

Sportjournalist und WM-Magazin-Macher Oliver Wurm verbrachte seinen diesjährigen Sommer in Brasilien. Auch am 8. Juli saß er im Stadion, als eine deutsche Nationalmannschaft mit 7:1 ein WM-Halbfinale gewann. Doch die folgende Nacht wurde für den Hamburger noch ereignisreicher. 


 

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Oliver, es gibt in deinem aktuellen WM-Magazin eine ganz interessante Randnotiz. Wie du nach dem 7:1-Sieg über Brasilien ausgerechnet im Geburtsort von Pele gelandet bist. Wie seid ihr denn dahin gekommen?
Wir sind nach dem irren Halbfinale gegen Brasilien rund zwei Stunden nach dem Spiel noch zu dritt von Belo Horizonte mit dem Auto in Richtung Sao Paulo aufgebrochen. Das sind rund 600 Kilometer, bei den Straßenverhältnissen in Brasilien aber wurde die Fahrtzeit mit rund 9 Stunden angegeben. In Sao Paulo wollten wir das zweite Halbfinale schauen. Der Ort Três Corações liegt exakt auf halber Distanz. Nach vier Stunden Fahrt sind wir also dort von der Autobahn runter. Über der Kleinstadt lag eine gespenstische Stille.

Nun ist die Frage: Woran erkennt man, dass Pele da geboren wurde? Oder wusstet ihr das?
Unser Fahrer, ein freier Journalist, der schon ein Jahr vor der WM nach Brasilien gegangen war, wusste bescheid. Aber er hat uns anfangs nicht eingeweiht. Bei der Einfahrt in das Städtchen aber fiel gleich auf, dass an jeder zweiten Ecke und auf jedem größeren Platz eine Pelé-Statue stand, jede einzelne frisch gestrichen. Der Portier hat mich schließlich aufgeklärt, dass Brasiliens größte Fußball-Legende in dem Haus gleich um die Ecke geboren wurde. Ein komisches Gefühl, nach einem solchen Spiel ausgerechnet in diesem Ort zu schlafen.

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Was macht man denn spät abends an diesem heiligen Ort?
Es war ja schon gegen zwei Uhr in der Früh, als wir ankamen. Sicher auch dem Ergebnis geschuldet, brannte da kein Licht mehr. Eine Kneipe haben wir auch nicht gesehen. Die Kollegen sind schnell eingeschlafen. Ich habe noch einige Stunden auf dem Hotelbett gelegen, die Minibar geplündert und konsterniert auf den kleinen Fernseher gestarrt, wo die deutschen Tore in Dauerschleife liefen.

Wie wird man als deutscher Gast denn nach so einem Spiel im Hotel empfangen?  Herzlich, oder habt ihr euch gar nicht als Finalteilnehmer präsentiert?
Doch, doch. Wir haben uns als deutsche Journalisten zu erkennen gegeben. Um meinen Hals baumelte ja auch die Akkreditierung. Der Mann an der Rezeption schüttelte zunächst den Kopf, dann sagte er – der Kollege hat das übersetzt – „Ohne Worte“ und schüttelte jedem die Hand. Er gratulierte uns! Und sagte dann, dass die Deutschen nun auch Weltmeister werden sollten. Und vor allem: Sollte es im Finale gegen Argentinien gehen, dann müsse man denen acht einschenken. Besser zehn. Als ich später noch im Netz die Schlagzeilen der Heimat las, musste ich grinsen. „Ohne Worte“ – das war auch die Zeile auf Seite Eins der BILD.

Habt ihr am Folgetag, im Hellen, noch ein Sightseeing absolviert?
Leider nein. Ich hätte mir gerne noch das Geburtshaus angeschaut. Es ist quasi als eine Art Museum originalgetreu wiederhergestellt worden. Sogar die Wiege des großen Pelé gibt es dort zu sehen. Alleine für den Tweet „Die Wiege des Fußballs“ hätte sich das ja schon gelohnt.

Zuletzt gab es kritische Meldungen über Peles Gesundheitszustand. Hast du es durch dein Sommererlebnis emotionaler als sonst bei Fällen dieser Art verfolgt?
Nein, das wäre übertrieben. Grundsätzlich berührt es mich aber immer, wenn ein großer Sportler erkrankt oder stirbt. Viele hat man ja im Laufe seines Berufslebens auch mehrfach persönlich getroffen.

Nach drei produzierten WM-Magazinen in diesem Jahr, was steht nun an. Ein „Mina Gerais sammelt Mina Gerais“  oder doch lieber ein Trip in Uwe Seelers Vorgarten nach dem Sieg am 34. Spieltag und den damit verbundenen Klassenerhalt?
Du spielst auf mein zweites Standbein an, die Panini-Städte-Sammelalben? Da kommt im Frühjahr erst einmal – kein Witz – „Ostfriesland sammelt Ostfriesland“. Und wenn wir uns am Tag des HSV-Klassenerhalts in Uwes Vorgarten sehen wollen, dann solltest du bereits am 31. Spieltag da sein. Der HSV wird eine ordentliche Rückserie spielen, zuhause die nötigen Siege einfahren und mit dem Abstiegskampf an den letzten drei Spieltagen nichts mehr zu tun haben.

Benny Semmler

Papa, Blogger, Mitgründer FRISCHER FILM, Seniorenspieler USC Paloma, Mitglied UnterstützerClub des FC St. Pauli, Towers-Fan und Gotnexxt.de-Follower.