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Bjarne Mädel

Bjarne Mädel: „In der Kabine ordentlich durchputzen“

Bjarne Mädel liebt als HSV-Fan Kultfiguren wie Hermann Rieger oder Uwe Seeler. Vielleicht, weil er als „Ernie“ in Stromberg oder zurzeit als Tatortreiniger „Schotty“ selber Kultfiguren geschaffen hat. Wir haben uns mit Bjane Mädel über das Projekt „Kicken mit Herz“ und sehr ausführlich über den HSV unterhalten.

Herr Mädel, vor nicht allzu langer Zeit haben Sie in einem Interview mit den „11 Freunden“  zunächst den HSV mit einem schicken Wagen ohne Motor verglichen, dann haben Sie noch einen „Breaking Bad“ Vergleich zum HSV gezogen. Wie würden Sie das Projekt „Kicken mit Herz“ bildhafter darstellen?
Als Achterbahnfahrt. Es ist ein rasanter Tag mit ganz vielen Erlebnissen und Begegnungen. Man empfindet den ganzen Tag nur Freude und Aufregung. Wie auf einer Achterbahnfahrt.

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Sie sind schon lange dabei, haben an vielen der insgesamt acht Ausgaben teilgenommen. Gibt es in der Organisation auch Stress für Sie?
Der besteht nur darin, mir die Zeit für die Veranstaltung frei zu blocken. Ich bekomme von Tom (anm.d.Red. Initiator  Prof. Dr. med. Thomas Mir)  eine SMS, in der steht, wann das Event stattfindet. Dann muss ich den Termin klären. Viel mehr habe ich eigentlich nicht zu erledigen.

Wie haben Sie die Entwicklung des Projekts wahrgenommen?
Als sehr beachtlich. Das erste Spiel wurde vor vielleicht 200 Besuchern ausgetragen, mittlerweile sind es tausende Zuschauer mit einer vollen Tribüne und gut besuchten Bratwurstständen. Gewissermaßen ist aus dem Spiel ein Familientag geworden, ein Picknick im Freien. Allerdings nur ausserhalb des Spielfelds. Auf dem Platz geht es um die echte Wurst.

Würde es Sie reizen, demnächst in eine der beiden großen Arenen umzuziehen?
Das ist eine schwierige Frage. Auf der einen Seite wäre mir das fast zu kommerziell, und wir würden dem etablierten „Tag der Legenden“, was ja auch ein sehr schönes Event ist, sehr nahekommen. Anderseits würde so noch mehr Geld an die Kinderstation fließen, was wiederum fantastisch wäre. Wenn es zum Wohle der Kinder geschieht, sollte man das Projekt nicht bremsen.

Wie bereiten Sie sich auf das Fußballspiel vor?
Ich werde zwei Wochen vorher mit dem Lauftraining beginnen. Nicht, dass die Luft nach zwei Minuten weg ist. Ansonsten habe ich noch mit meiner Arthritis im rechten Zeh zu kämpfen. Aber mit 1-2 Dosen Eisspray wird das schon.

Fabian Boll, Thomas Helmer, Stefan Schnoor – es wimmelt vor  ehemaligen Bundesligastars. Wie geht man als Laie damit um, so viel weniger Talent zu haben?
Als Komplett-Laie würde ich mich jetzt aber auch nicht beschreiben. In meiner Jugend habe ich relativ hoch Fußball in Reinbek gespielt, wir haben auf den alten Grandplätzen auch die Jugendteams vom HSV regelmäßig geschlagen. Unsere Truppe war sehr talentiert und wir nahmen auch an einer internationalen Reise teil, spielten in Rotterdam im Vorprogramm eines größeren Spiels vor 25000 Zuschauern. Dazu bin ich mit einer Auswahl von Theaterfussballern 1998 Europameister geworden. Mit dem Ball kann ich also mehr anfangen als ihn nur aufzupumpen.

  • Kicken mit Herz am 14. Juni im Stadion Hoheluft
  • Das Benefiz-Fußballspiel für die Kinder-Herz-Station am UKE
  • Einlass: 11:30 Uhr
  • Beginn: 12:30 Uhr
  • Alle Informationen sowie Tickets unter www.kickenmitherz.de

Stand eine Bundesliga-Karriere in Aussicht?
Nein, so gut war ich wiederum bei weitem  nicht. Ich hatte auch das Gefühl, etwas zu klein zu sein. Ich war der Typ „Icke Hässler“, der auf dem Grandplatz Probleme bekam, sobald die Gegenspieler zwei Köpfe größer waren. Und das waren leider die meisten.

Sie sprachen vorhin an, dass es nicht unkompliziert wäre, sich Termine für den Fußball frei zu blocken.  Schaffen Sie es als HSV-Fan oft ins Stadion?
Leider nein. Ich würde viel öfter gehen, doch bin ich im Beruf momentan voll eingeplant. Auch den letzten Spieltag habe ich nicht in Hamburg verfolgen können. Wir drehen gerade einen Kino-Film, es ist ein Drama und wir filmen an den Wochenenden im Krankenhaus.  So auch während des Spiels gegen Schalke. Mir blieb nur die Möglichkeit, das  Spiel in der Drehpause über Sky-go auf dem Handy zu verfolgen. Es war brutal, gerade als ich mitbekam, dass in Hannover ein Tor gefallen war. Da bist du völlig fertig und dann hört man auch noch den Aufnahmeleiter rufen: „Bjarne, kommst Du bitte!? Wir machen weiter.“

Kann ein erfolgreicher Schauspieler nicht Einfluss auf die Termingestaltung nehmen?
Wenn der Regisseur Fußballfan wäre, im besten Fall noch Hamburger, dann könnte das vielleicht sogar klappen. Aber das ist gerade nicht der Fall. Zudem findet die Produktion in Leipzig und Halle statt, was es noch schwieriger macht. Außerdem arbeiten wir in diesem Film mit richtigen Ärzten zusammen. Nach denen richten wir uns bei der Planung der Drehtage. Und es wäre vermessen, meine Fußballleidenschaft über den Terminplan eben jener Ärzte zu stellen, die ansonsten Operationen am offenen Herzen durchführen.

Schaffen Sie es zum Relegations-Hinspiel?
Wenn ich um 20:30 vor dem Fernseher sitze, bin ich mit Sicherheit ziemlich glücklich und zufrieden.

Wieso sind Sie eigentlich HSV’er geworden, und  nicht Pauli-Fan?
Ich wurde mit sechs das erste Mal mit ins Stadion genommen. Europapokal, Flutlicht. Das hat mich geprägt. Und ganz ehrlich: Ich habe nie in Erwägung gezogen, dem HSV den Rücken zu kehren.  Auch wenn es in letzter Zeit genügend Möglichkeiten gab und der Fußball oft schrecklich anzusehen war.

Wie stehen Sie zum FC St. Pauli?
Ich habe nichts gegen den Verein. Im Gegenteil. Das Millerntor-Stadion ist schön, die Stimmung ist Weltklasse. Nur weil ich absoluter HSV-Fan bin, muss ich ja nichts gegen den anderen Verein  aus der Stadt haben. Ich sage sogar, dass beide Teams in die Bundesliga gehören. Und ich finde auch super, dass beim „Kicken mit Herz“ Legenden beider Teams zusammen auflaufen.

Wie der HSV noch immer kämpfte Pauli um den Klassenerhalt. Während den Kiezkickern gefühlt in ganz Deutschland die Daumen gehalten wurden, hofft fast ganz Fußballdeutschland auf den HSV-Abstieg. Wie nehmen Sie das auf?
Naja, ich mache mir nichts vor. Es wäre verdient wenn wir zum ersten Mal absteigen. Ich kann die anderen Fans deshalb sogar verstehen, die  wollen, dass der HSV runter muss. Das Stadion ist voll, der Kader kostet viel Geld und das Umfeld der Stadt ist hervorragend. Wenn es ein Verein dann nicht schafft, viel besseren und vor allem erfolgreichen Fußball zu spielen als die Teams mit viel geringeren Mitteln – dann wäre ein Abstieg einfach nicht unverdient.

Sie hoffen trotzdem.
Na klar. Kein HSV-Fan will absteigen. Es gibt zwar die Gedankenspiele, auch von ehemaligen Spielern, dass ein Abstieg dem Verein gut tun könnte. Aber ausprobieren will ich das nicht.

Hätten Sie ein schlechtes Gewissen, wenn der HSV drin bleibt?
Auf der einen Seite ja. Eben weil es nur konsequent wäre und es peinlich ist, wenn man sieht, wie dieser große Verein bereits im zweiten Jahr hintereinander da unten rumwurstelt. Anderseits bekomme ich auch Nachrichten aus Bremen, in denen geschrieben steht, dass der HSV den Klassenerhalt packen soll. Das Nordderby würde der Liga fehlen, und dazu glaube ich, dass viele Fans zum Auswärtsspiel am Wochenende lieber nach Hamburg fahren als nach Karlsruhe .

Für Sie als „Tatortreiniger“. Wo würden Sie anfangen zu säubern?
In der Kabine. Abwehr, Mittelfeld und Sturm. Alles mal gründlich putzen. (lacht)

Und in der Geschäftsstelle?
Vor einiger Zeit habe ich gesagt, dass ich genau da anfangen würde. Bei Dietmar Beiersdorfer habe ich aber weiterhin ein gutes Gefühl. Ich möchte, dass er bleibt.

Gibt es einen Messias, auf den Sie hoffen?
Den kann ich mir momentan nicht vorstellen. Es haben viele Trainer versucht, auch gute, aber es hat nicht langfristig geklappt. Im ganzen Verein gibt es meiner Meinung nach zu viele Leute, die mitbestimmen wollen. Ob sich das bei einem Tuchel geändert hätte?

Wie finden Sie Jürgen Klopp?
Super.

Wäre das eine Wunschlösung?
Warum sollte sich Jürgen Klopp das antun? Es hat sich doch längst herumgesprochen, wie schwer es ist, beim HSV erfolgreich  als Trainer zu arbeiten. Da kann man sich leicht verbrennen. Wieso sollte Klopp in Hamburg trainieren und dieses Risiko eingehen, wenn er zeitgleich Real Madrid coachen könnte? Ich wüsste keine Antworten auf diese Fragen.

Der HSV hätte Klopp  früh einmal bekommen können, wenn nicht …
… der Rauschebart gewesen wäre. Ich habe das auch gelesen. Und das zeigt ja auch, dass schlechte Entscheidungen schon vor Jahren  getroffen wurden.

Sie mimen derzeit eine Figur in einem Drama. Der HSV ist ein Fußball-Drama. Könnten Sie sich eine Rolle in einem Sportfilm vorstellen?
Schwer. Ich bin kein sonderlich großer Fan von Sportfilmen. Außerdem spiele ich lieber komplett fiktionale Rollen. Historische Figuren darzustellen, ist keiner meiner unbedingten Berufswünsche.

Um im Fußballduktus zu bleiben: Reizt Sie denn das internationale Schauspielgeschäft?
Absolut. Aber wenn, dann nur in der Premiere League, also im englischen Sprachbereich. Mein Englisch ist nämlich sehr gut, Spanisch und Französisch kann ich hingegen gar nicht.

Apropos Schauspiel: Wäre es nicht spaßig, beim „Kicken mit Herz“ im Outfit einer Ihrer großen Rollen aufzulaufen? Als „Ernie“ aus Stromberg oder als „Schotty“, dem Tatortreiniger?
Würden meine Haare nicht gerade für die aktuelle Rolle kurz geschnitten sein, könnte ich mir das sofort vorstellen. Leider reicht die Zeit bis dahin nicht mehr, um die Haare auf Länge zu bekommen. Aber ich hoffe, dass sich die Leute auch über Bjarne’s Sprintversuche freuen werden.

Auf welchen Promi freuen Sie sich am meisten?
Ein Doppelpass mit Sergej Barbarez, und das Spiel ist für mich bereits sehr erfolgreich gelaufen.
 
Felix Magath soll  ja auch kommen.
Dann hoffe ich mal, dass ich das Aufwärmen überstehe. Aber ganz im Ernst: Es ist einfach großartig, diese ganzen Menschen hautnah zu erleben und persönlich kennenzulernen. Wann stehst du schon als HSV-Fan mit den alten Größen und Fußballmillionären unter der Dusche und Barbarez fragt dich nach deinem Duschgel? Das ist in dem Moment völlig selbstverständlich, aber im Prinzip einfach krass. Genau wie die Traineransprachen vor dem Spiel. Peter Neururer hat einmal zu uns gesagt:  „Jungs, das läuft so wie bei meinen anderen Mannschaften. Von 2,3  Jungs weiß ich den Namen, den Rest kenne ich nicht.“ Das macht insgesamt allen super viel Spaß.

Acht Jahre „Kicken mit Herz“ –  was war der beste HSV-Moment?
Ich möchte kurz ausholen. Mein Lieblingstrikot vom HSV stammt aus der großen Zeit zu Beginn der 80er Jahre. Das wurde von zwei  Personen unterschrieben. Von Uwe Seeler und von Hermann Rieger. Bei einer Ausgabe von „Kicker mit Herz“ war auch Hermann als Betreuer anwesend. Er hat meine Waden massiert und ordentlich durchgeknetet. Das war schmerzhaft, durchblutend und überwältigend. Das wird mir immer in Erinnerung bleiben.

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Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.