Top
hsv_raute_870

Weiter, immer weiter!

„Ich habe den Glauben an die Mannschaft verloren“

Hallo fschmidt! Der HSV ist Tabellenletzter und damit in großer Abstiegsgefahr, vielleicht so groß, wie noch nie zuvor. Glaubst du persönlich noch an den Klassenerhalt?
Ich klammere mich in den Tiefen meines Herzens an jeden kleinen Hoffnungsschimmer, der mir über den Weg läuft. Das Problem ist, dass ich den Glauben an die Mannschaft bei den Spielen unter „Trainer“ Peter Knäbel verloren habe. Da bleibt im Augenblick nur der Strohhalm Bruno Labbadia und das ist für sich genommen schon sehr bitter, weil die Verpflichtung und die Vorgänge drum herum eigentlich nur noch lächerlich sind. An und für sich sollte auch der Spielplan Hoffnung geben, da mit Schalke nur noch ein echter Kracher dabei ist (sorry FCA!). Auf der anderen Seite haben wir es in den letzten Jahren immer wieder erlebt, dass es gerade gegen die „machbaren“ Gegner die herbsten Rückschläge gab, daher habe ich etwas Angst vor den Spielen gegen Freiburg, Mainz und Stuttgart.

Nehmen wir den GAU an. Der HSV steigt ab, der Mythos Dino bröckelt. Kann der HSV überhaupt 2. Liga?
So recht will ich mich mit dem Gedanken nicht beschäftigen, aber ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, ich hätte noch nicht drüber nachgedacht. Ich finde es sehr schwer einzuschätzen, wie sich der HSV in der 2. Liga schlägt. Das liegt zum einen daran, dass – logischerweise – einfach nicht klar ist, welche Spieler bei Abstieg bleiben und zum anderen vor allem, ob und wie der HSV sich die 2. Liga finanziell leisten kann. Dass man das derzeitige Gehaltsvolumen nicht beibehalten kann, ist klar. Im Sinne eines Neuaufbaus (müsste dann der 23. der letzten fünf Jahre sein) wäre es aus meiner Sicht wünschenswert, wenn man zwei, drei erfahrene Spieler behält, die auch Identifikation mit dem HSV bewiesen haben (ich muss an dieser Stelle Jaroslav Drobný nennen) und dazu die derzeit verliehenen Talente (Tah, Demirbay) zurückholt, dann den Kader auffüllen mit jungen Spielern zum Teil aus der eigenen U23 und so versucht, sich zumindest fußballerisch zu konsolidieren. Ob da am Ende der Wiederaufstieg rausspringt, sollte erstmal zweitrangig sein, weil das definitiv nicht mehr so einfach ist, wie es vor ein paar Jahren noch war. Aber hier kommt auch das Umfeld ins Spiel: Ich fürchte, das würde sich größtenteils nicht ruhig verhalten und den sofortigen Wiederaufstieg und möglichst noch den internationalen Wettbewerb via DFB-Pokalsieg fordern. Und das ist auch meine größte Sorge: Dass man auf Teufel komm raus versuchen würde, direkt wieder aufzusteigen und für die nötigen finanziellen Mittel Anteile an der AG meistbietend verscherbelt. Da wäre das Risiko, die AG und damit auch den Verein komplett in den Ruin zu treiben, viel zu hoch.

Imagefilme für Rostock und Mecklenburg-Vorpommern

Abschließend die Hand auf’s Herz – was würde sich für dich persönlich verändern, wenn der HSV in der 2. Liga spielt? Reduzierst du die Besuche, bleibt das Interesse?
Die Anstoßzeiten würden sich ganz eklatant verändern, das wäre eine Riesen-Umstellung. Ich würde aber weiterhin ins Stadion gehen, meine Dauerkarte werde ich ligaunabhängig auf jeden Fall verlängern. Wie sich meine emotionale Beziehung zum HSV entwickelt, vermag ich – ebenfalls ligaunabhängig – nicht zu sagen. Ich merke, wie sehr diese und auch die vergangene Spielzeit an meinen Nerven gezerrt haben. Vergangene Saison habe ich 26 von 36 Ligaspielen mitgemacht, diese Saison war ich nur noch einmal auswärts dabei. Aber insgesamt hat sich im Zuge der Ausgliederung so viel im (Fan-)Umfeld geändert, dass meine Identifikation gelitten hat, sich mein Verhältnis zur 1. Mannschaft abgekühlt hat. Trotzdem wird der HSV immer mein Verein bleiben, selbst als Mitglied des HFC Falke kann ich gar nicht anders, weil die Raute seit knapp 30 Jahren ein fester Bestandteil meines Lebens ist.

Zum Schluss sag mir gerne noch einen Tipp, auf welchem Platz der HSV die Saison abschließt.
Ich hoffe, ich bete (zum Fußballgott), dass es nochmals zu Platz 16 reicht und dann helfe uns Jaroslav Drobný, einmal mehr das Wunder zu schaffen.

Auch sie findet ihr bei Twitter, hier geht’s lang: @fschmidt77

Erik Griephan