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Towers-Coach Attarbashi: „Wir können ein Topverein sein“

Volles Haus, gute Show, Basketball-Hype in der Hansestadt. In ihrer ersten Profisaison waren die Hamburg Towers in aller Munde, in der anschließenden Sommerpause wurde es still um die Türme. Trainer Hamed Attarbashi nahm sich Zeit, um mit BTB-Reporter Jonas Giesenhagen die aktuelle Situation zu besprechen. Im Interview geht es außerdem um Formschwankungen in den ersten Saisonspielen, die Personalie Pascal Roller und die Aufstiegschancen in die erste Liga.

Foto: Patrick Franck


Herr Attarbashi, nach dem Erreichen der Playoffs in der Vorsaison, läuft jetzt die zweite Spielzeit der Vereinsgeschichte. Welches Saisonziel haben Sie ausgegeben?

Da sich unser Spieleretat nicht grundlegend verändert hat, geht es auch in dieser Saison zunächst darum frühmöglichst die Klasse zu sichern. Zwölf Siege reichen höchstwahrscheinlich, um nicht abzusteigen. Aber natürlich sind die Ansprüche von außen gestiegen und auch intern wollen wir uns nicht verschlechtern, nachdem wir in den Playoffs waren.

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Sind steigende Ansprüche von außen auf Dauer ein Problem, falls die Towers noch eine längere Zeit in der ProA spielen?

Das kommt ganz darauf an, wie sich die Mannschaft präsentiert. Wenn wir kämpfen und leidenschaftlich spielen, bin ich mir sicher, dass die Menschen trotzdem zu uns in die Halle kommen. Die Liga wird immer ausgegelichener, die Breite immer stärker. Es kann so viel passieren, dass der Gedanke wo wir in drei Jahren spielen noch weit weg ist.

Müssen die Towers in ihrer zweiten Spielzeit mehr Aufwand betreiben, um die Zuschauer nach Wilhelmsburg zu holen?

Wir wollen den Leuten in jedem Spiel zeigen, dass wir alles für den Sport geben. Das ist der Aufwand, den wir auf dem Platz betreiben. Für die Spieler und das gesamte Team ist es sehr wichtig, dass die Halle möglichst voll ist. Davon ab müssen wir als Organisation mehr tun als im ersten Jahr und vor allem auch neue Wege gehen. So können wir auch neue Zuschauer in die Halle locken.

Zu Beginn des Projekts gab es mal einen Dreijahresplan. Ist es noch immer realistisch, dass die Hamburg Towers nächste Saison oben angreifen können?

Ich sehe nichts was dagegen spricht. Es verändert sich ja nicht nur die Mannschaft, sondern das ganze drumherum. Anfangs habe ich Aufgaben wie Trikots waschen oder Bus fahren übernommen. Sowas mache ich jetzt nicht mehr. Es würde mich auch niemand mehr fragen und das ist das Entscheidende. Denn das zeigt wie wir schon gewachsen sind und auch weiterhin wachsen. Die Abläue sind besser organisiert, das Team ist spezialisiert. In Zukunft wird gewährleistet das jeder sich auf seine Kernaufgabe konzentrieren kann und dadurch sollte letztendlich auch der Ertrag höher sein.

Einige bekannte Gesichter, wie Terry Thomas und Will Barnes, sind in dieser Saison nicht mehr dabei. Wieso?

Terry Thomas war ein Rookie aus Kanada und das Interesse an ihm hielt sich in Grenzen bevor er zu uns kam. Nachdem er durchwachsen angefangen hat, ist er aufgeblüht und hat eine großartige Saison gespielt. Er wurde für andere Vereine interessant und wollte den Markt sondieren, was als Basketballprofi ganz normal ist. Für uns ist es dann auch eine Frage, ob wir finanziell Paroli bieten wollen oder einen anderen Mann finden, der nochmal einen Tick besser zu uns passt. In Jonathon Williams haben wir einen Spieler verpflichtet, der noch vielseitiger ist und uns direkt weiterhelfen kann. Will Barnes hat hier einige Topspiele gezeigt. Wir stehen in gutem Kontakt und er hat sich bei uns eindrucksvoll weiterentwickelt. Das war gewiss keine Entscheidung gegen ihn. Aber wir müssen auch mal ein bisschen ins Risiko gehen und das haben wir mit der Verpflichtung von Xavier Roberson gemacht. Er war auf drei verschieden Schulen, viele Vereine würden so einen Spieler gar nicht erst verpflichten. Zu uns passt er aber perfekt und ich bin mir sicher, dass wir mit ihm einen großen Sprung nach vorne machen werden.

Auch in der Führungsetage hat sich etwas geändert. Pascal Roller ist als Geschäftsführer zurückgetreten. Was waren die Beweggründe?

Ich bin ja Trainer der Mannschaft und damit nicht der beste Ansprechpartner. Mit Pascal habe ich immer sehr gut zusammengearbeitet. Gerade in den ersten zwei, drei Monaten, als hier noch alles drunter und drüber ging. Er hat überall angepackt und auch Dinge erledigt, mit denen ein Geschäftsführer normalerweise nichts zu tun hat. Warum Pascal nicht bei uns bleiben wollte weiß ich aber nicht.

Kann es daran gelegen haben, dass Zukunftsvisionen zu weit auseinander gingen?

Grundsätzlich ist es ja nicht falsch, wenn man so schnell wie möglich aufsteigen möchte. Jeder bei den Towers würde „Ja“ antworten, wenn er gefragt würde, ob er aufsteigen will. Aber können wir das als Ziel ausgeben? Theoretisch klar, aber ich würde das als zu hoch ambitioniert bezeichnen. Vechta, Nürnberg, Gotha, Jena, Heidelberg. Wenn wir sehen wie diese Teams zurzeit verpflichten, wäre es vermessen zu sagen, wir wollen jetzt unbedingt aufsteigen.

Die Giessen 46ers zeigen aber auch, wie schnell es im Basketball gehen kann. Letzte Saison zu Hause gegen die Towers verloren, aufgestiegen, im ersten Heimspiel Meister Bamberg geschlagen und jetzt Nationalspieler Karsten Tadda verpflichtet. Kann das auch in Hamburg klappen?

Man darf immer nicht vergessen, dass wir mit Anthony Canty und Stefan Schmidt zwei A2-Nationalspieler verpflichtet haben. Anthony war sogar für die Nationalmannschaft nominiert, hatte dann großes Verletzungspech. Gleiches gilt für Bazou Koné, der U20 Nationalspieler war, sich dann den Fuß gebrochen hat. Wir sind nicht weit weg, um sportlich ein Topverein der ProA zu sein. Es kann schnell nach oben gehen, aber in der ProA kann es auch ganz schnell nach unten gehen.

In dieser Saison gab es schon viele Schwankungen. Einer schlechten Leistung in Leverkusen folgte ein sehr gutes Spiel gegen Vechta. Welches ist das wahre Gesicht der Towers in dieser Saison?

WIr haben sechs Spiele gespielt und hatten leider viele Verletzte. Angesichts der Situation haben wir schon erstaunlich gute Spiele abgeliefert. Essen wurde von uns in eigener Halle dominiert, Heidelberg hat bei uns in der Schlusssekunde gewonnen, nachdem wir eine überragende zweite Halbzeit gespielt haben. Leverkusen war unser schwächstes Spiel, wir haben einfach nichts getroffen und zudem noch 35 Fouls kassiert. Der Wille hat uns gefehlt, das haben wir anschließend deutlich wie nie zuvor thematisiert. Daraufhin haben wir gegen Vechta eine Topreaktion gezeigt. Wir sind lernfähig und müssen positiv bleiben.

Gegen Vechta hat die Mannschaft eine beeindrucke 3er-Quote geworfen. Wurde das in der Woche spezifisch trainiert?

Wir hatten schon in der ersten Saison viele Spiele in denen wir eine gute 3er-Quote hatten. Darauf haben wir aufgebaut und mit der Verpflichtung von Xavier Roberson einen Mann geholt, der daran anknüpfen kann. Wir haben viele Spieler die den Korb attackieren können, wodurch sich außen automatisch Räume ergeben. Das Zusammenspiel von Zone und Würfen von draußen klappt bisher ganz gut. Nach dem ersten Jahr haben wir viel analysiert und das ist sicherlich eins der Resulate.

Jonas Giesenhagen