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Check: Die große Küsten-Krise

Die Stürme werden kräftiger, die Luft wird frostiger, der Glühwein ist im Anflug. Und damit auch die Halbzeitpause in der dritten Liga. Das dürfte besonders unsere beiden Ostseeklubs aus Kiel und Rostock freuen, da die Hinrunde für beide Teams wohl kaum noch zu retten ist. Als Schlusslichter der Liga befinden sich beide Vereine momentan punktgleich auf Rang 19. Doch der Punktestand ist längst nicht das einzige, was die beiden Vereine momentan verbindet. Wir haben mal aufgeschrieben, warum die Ostsee-Klubs momentan so untergehen.

Foto: http://calcio-culinaria.de

Verletzungspech

Eine immense Schwächung für die Störche ist augenscheinlich die Verletzung ihres Kapitäns und Leistungsträgers Marlon Krause. Der gebürtige Halstenbeker hatte sich Ende August beim Auswärtsspiel in Osnabrück bereits zum zweiten Mal in seiner noch jungen Karriere das vordere, linke Kreuzband gerissen und fällt wohl noch mindestens drei Monate aus. Für die Kieler doppelt schmerzhaft. Da ihr Verein nach dem Vorfall nur noch einen Sieg aus neun Partien einfahren konnte, hat Krause sich entschieden seinen Vertrag nicht zu verlängern und im Sommer den Club zu wechseln. Ein ähnliches Problem besitzen die Rostocker. Top-Stürmer Marcel Ziemer, der letzte Saison mit seinen 15 Toren maßgeblichen Erfolg am Klassenerhalt der Kogge hatte, brachte es aufgrund einer Schambeinentzündung und einem Bauchmuskelfaserriss in der laufenden Saison erst auf magere 13 Minuten Einsatzzeit. Er wird aber vermutlich Ende des Jahres wieder auf dem Platz stehen um die Torflaute der Hanseaten zu beenden.

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Personal

Der Weggang ihres Kapitäns Rafael Kazior war für die gesamte Spielströmung der Fördestädter nur schwer zu verkraften. Das Klub-Urgestein absolvierte in der vergangenen Spielzeit 35 von 38 möglichen Spielen und brachte es auf elf Tore und sechs Vorlagen. Doch auch in der Defensive tun sich eklatante Lücken auf. Mit 23 Gegentoren gehören die Kieler zu den schlechtesten Abwehrreihen der Liga. Denis Weidlich, der vor der Saison aus Rostock kam, und Ex-Preuße Dominik Schmidt konnten den Abgang von Top-Innenverteidiger Hauke Wahl zum SC Paderborn bis jetzt noch nicht kompensieren. Auch die Rostocker mussten nach dem zweiten Spieltag einen ihrer Top-Spieler zum Effenberg-Club ziehen lassen. Christian Bickel, der mit 13 Vorlagen und sieben Toren einer der Top-Scorer der letzten Saison war, wird auf der linken Flanke der Kogge schmerzlich vermisst. Mit Last-Minute-Transfer Stephan Andrist konnte zwar ein, auf dem Papier, adäquater Ersatz gefunden werden, allerdings konnte dieser seine Verpflichtung bis jetzt jedoch nur durch seinen guten Willen rechtfertigen. Die Folge: Sieben Unentschieden und drei Niederlagen aus den letzten zehn Spielen.

Heimschwäche

Trotzdem die Stadionauslastung der beiden Klubs nur bei knapp über 50 Prozent pro Heimspiel liegt, ist der Support der Fans, im Vergleich zu anderen Drittligisten, über die kompletten 90 Minuten lautstark zu hören. Und obwohl die meisten Ballbesitzanteile, wie auch die optische Überlegenheit, oftmals auf Seiten der Ostseestädter zu finden sind, gibt es vor heimischer Kulisse kaum Punkte. Neun Mal durften die Rostocker Fans dieses Jahr erst ein Heimtor bejubeln. Die Kieler sogar erst sieben Mal. Die trauige Bilanz beider Teams: Ein Heimsieg bei sieben Heimspielen.

Skandale

Ein weiterer Faktor, der mit Sicherheit nicht gerade zu einem stabilen Mannschaftsgefüge beiträgt, sind die Spannungen und Vorkommnisse, die sich momentan abseits des Spielfeldes abspielen. Kieler Fans machten vergangene Woche wieder einmal negative Schlagzeilen, als es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit Anhängern von Borussia Dortmund kam. Aber auch diie Rostocker Randalefreunde hatten in dieser Spielzeit bereits zu tun. Nachdem es beim Spiel gegen den 1.F.C. Magdeburg zu Auseinandersetzungen mit Feuerwerkskörpern kam, hat nun sogar ein jahrelanger Co-Sponsor (Wohnungsgenossenschaft Union Rostock) sein Engagement gekündigt. Zusätzlich zu den Fans, sorgt bei Hansa aber auch noch die Führungsriege für Aufsehen. Von gegenseitigen Anschuldigungen und Misstrauen geprägt, musste bei einer Mitgliederversammlung am letzten Wochenende ein neuer Vorstand gewählt werden.

Wo es mit den beiden Küsten-Riesen am Ende hingeht bleibt abzuwarten. Hansa ist den Druck jedoch schon gewöhnt. Auch letzte Saison überwinterte der FCH auf einem Abstiegsplatz, konnte sich aber dank einer Siegesserie in der Rückrunde noch im Profifußball halten. Für die „Störche“ ist die Situation neu. Nach dem Aufstieg 2013 war die Zeit größtenteils von Erfolgen geprägt. Die Ansprüche an der Förde sind also eigentlich andere und der Druck damit umso höher. Letzten Endes muss man aber auch festhalten, dass beide Vereine nur sechs Punkte von einem gemütlichen Platz neun entfernt sind.

Ole Gömmel