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Was nehmen wir nun aus diesem Spiel mit?

Der HSV kann es noch: das „nicht verlieren“. Nach einer erwarteten Niederlage gegen den FC Bayern zum Auftakt der Rückrunde und einem beschämenden Auftritt beim VfB Stuttgart, der völlig berechtigt mit null Punkten belohnt wurde, gelang es unseren Rothosen am vergangenen Wochenende, einen Zähler gegen den 1. FC Köln zu ergattern.

© Torsten Helmke

Es war ein Punktgewinn des Wollens, nicht des Könnens – so viel steht fest. Was der HSV nämlich definitiv nicht kann, ist: irgendetwas mit seinem Ballbesitz anzufangen. Der lag im Spiel gegen Köln in der Spitze bei rund 60 Prozent. Heraus kam wenig Zählbares. Im Gegenteil. Trotzdem die Geißböcke weniger am Ball waren als der HSV, trugen sie viel mehr dazu bei, dass das Spiel einigermaßen ansehnlich war. Den Defensivverbund um den in der ersten Halbzeit schwachen Kapitän Johan Djourou haben sie sich schön ausgeguckt und dessen Schwächen ein ums andere Mal ausgenutzt (wenngleich es mit der Chancenverwertung haperte). Und vorn haben sie unseren Pierre-Michel aber mal so gar nicht zum Zuge kommen lassen.

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Im Nachhinein stellte sich glücklicherweise heraus, dass genau dies das Pech der Kölner war: PML wurde zur Halbzeit durch Artjoms Rudnevs ersetzt, der frisch und pfeilschnell gleich nach Wiederanpfiff da war und auf Nicolai Müller auflegte, der wiederum einen Sonntagsschuss losließ und so den Punkt sicherte. Das Schönste an diesem Teilerfolg war sicherlich, dass der Abstand zu Platz 16 auf nun vier Punkte vergrößert wurde.

Was nehmen wir nun aus diesem Spiel mit? Sicherlich die Erkenntnis, dass Josip Drmic noch Luft nach oben hat, und der linke Flügel – auch wenn der Spieler selbst nicht müde wurde zu betonen, dass er sich auch dort wohl fühlt und sowieso immer da spielt, wo der Trainer ihn aufstellen möchte, Hauptsache, er könne dem Team helfen – nicht eben die Position ist, auf der er am besten zum Gelingen einer ordentlichen Mannschaftsleistung beizutragen vermag.

Drmic wird aber auch gegen Gladbach von Beginn an spielen. Er kostet zu viel Geld, als dass man ihn auf der Bank versauern lassen sollte. Mein Träumchen wäre es, rückte Trainer Bruno Labbadia – wenn auch nur für ein Spiel – von seinem bisherigen System ab und versuchte einmal statt eines 4-5-1 ein 4-4-2. Und dann mit einer Doppelspitze bestehend aus Josip Drmic und Artjoms Rudnevs. Warum? Weil ich glaube, dass Drmic vorn effektiver ist als auf dem Flügel. Und weil ich der Meinung bin, dass Rudnevs als Teil eines dynamischen Duos seine Stärken noch besser ausspielen kann. Man erinnere sich: Es gab mal eine Saison, in der der Lette zwölf Tore erzielte. Damals hatte er einen – richtig – spielstarken Heung-Min Son an seiner Seite. Könnte klappen.

Ein weiterer Mann vorn bedeutet aber auch: ein Mann weniger im Mittelfeld. Hier wäre es wohl am sinnvollsten, Lewis Holtby als Sechser auflaufen zu lassen, Hunt als Zehner. Und auf den Außen den immerhin emsigen Nicolai Müller und Ivo Ilicevic, der ja nun wieder rehabilitiert ist.

Hinten wünschte ich mir einen Wechsel: Gotoku Sakai sollte nach links gehen und Matthias Ostrzolek eine Verschnaufpause bekommen – er scheint mir überspielt. Dennis Diekmeier würde auf seine angestammte Position zurückkehren.

Allein: Ich glaube nicht daran, dass Bruno Labbadia das System ändert. Und deshalb wird sich ein längst wiedererstarktes Gladbach schnell auf den HSV einstellen und ihm das Leben schwer machen. Immerhin: In puncto Ballbesitz wird sich im Vergleich zum Köln-Kick sicher einiges ändern. Die Fohlen sind nicht dafür bekannt, auf Konter zu spielen, sondern fühlen sich mit dem Ball am Fuß deutlich wohler. Sollte etwa doch noch so etwas wie eine Hoffnung aufkommen, der HSV würde: nicht verlieren?

Hier bloggt Sascha Rebiger (Gewinner Goldener Hashtag 2014), folgt ihm bei Twitter: @rebiger

Sascha Rebiger