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Gameday Relive: Das macht Lust auf mehr.

Oiski! Poiski! Der FC Hansa gastiert zum Nordderby-Sonntagsschmaus in Braunschweig. Weil die Paarung so ultimativ spannend ist, und den weiteren Saisonverlauf des FC Hansa mitbestimmen könnte, begleiten wir das Spiel im Liveblog.

12:02. Guten Morgen. Gestern Abend lief der deutsche Fußball schonmal so, wie der deutsche Fußball immer laufen sollte: Der Sauron und der Darth Vader des deutschen Fußballs verloren beim 1:1-Remis jeweils zwei wichtige Punkte. Schön!

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Gewinnt der FC Hansa heute in Braunschweig, ist das Fußballwochenende also annähernd perfekt (es fehlt dann nur ein Sieg der SG Wöpkendorf II). Es ist ein Spiel, auf das ich mich unfassbar freue. Und das, wie in der Vorschau schon beschrieben, womöglich unfassbar wichtig ist.

Hinweis: Dieser Blog ist kein Liveticker. Aber wir werden vor dem Spiel ein bisschen über das Duell schreiben, und während der Halbzeiten unsere Meinungen zur Partie feedbacken. Wir werden diesen Beitrag etwa alle 15 bis 20 Minuten aktualisieren. Hier klicken für ein Update:

Eine Live-Diskussion können wir gerne unter dem entsprechenden Beitrag zum Blog führen.

12:25. Einer der schönsten und wichtigsten Hansa-Siege der vergangenen zehn Jahre war sicher Rostocks 2:1 gegen Braunschweig im September 2010. Rückstand gedreht, in den Schlussakkorden des Spiels den Sieg mit einem Schyrba-Kopfball eingetütet. Das Hansa am Ende souverän aufstieg, lag auch an diesem Last-Minute-Erfolg im Spitzenspiel. Für alle, die ein bisschen in der Vergangenheit schwelgen wollen, hier geht es zur Zusammenfassung. Und zum Glück steht Marian Petkovic nicht mehr im Braunschweiger-Tor.

12:40. Head-to-Head: Apropos Torhüter. Während Fußballnorddeutschland noch über die Hansa-Elf rätselt, stehen die Keeper der Partie fest. Jasmin Fejzic und Markus Kolke. Beide haben zwei Dinge gemeinsam: Sie patzten am ersten Spieltag, und haben ingesamt schon neun Gegentore geschluckt. Fejzic, einige werden sich erinnern, gilt als Elfmeterkiller. Und als Mann für große Dramen. Im DFB-Pokal kassierte er einmal ein ganz bitteres Gegentor in den Schlusssekunden der Verlängerung. Fejzic war eigens für das Elfmeterschießen eingewechselt worden, dann prallte ihm ein Pfostenschuss der Dortmunder unglücklich an den Rücken. Unabhängig davon: Markus Kolke ist der bessere Torhüter, vor allem der ruhigere. Seit seinem miesen Pass im Auftaktspiel, der das 3:3 begünstigte, ist Kolke annähend fehlerfrei. Vorteil: Hansa.

12:55. In wenigen Minuten gibt es die Aufstellungen. Ich persönlich bin gespannt wie lange nicht, es gibt sicher zwei, drei Härtefälle. Die lokalen Medien vermuten Pedersen und Omladic in der Startelf, doch was ist mit Atilgan, der gegen Münster überzeugte? Dreier- oder Viererkette? Fragen über Fragen.

13:00. Ein paar Gedanken zum Braunschweiger Sportdirektor Peter Vollmann. Als Trainer sah ich ihn oft kritisch, sogar schon im damaligen Aufstiegsjahr. Was aber schon immer imponierte: Wie er in der Dritten Liga Mannschaften aufstellte und Talent erspürte. Ein Beispiel: Vollmann setzte in Rostock sehr früh auf den damals blutjungen Dennis Srbeny. Und dieser Srbeny, den Vollmann sehr aktiv förderte, bezwang gestern als Kurzarbeiter Manchester City. Vollmann als Sportdirektor, dazu kann man den Braunschweiger Löwen gratulieren.

13:15. Head-to-Head: Defensive. Beide Mannschaften haben bisher gleich viele Gegentore bekommen. Doch für mich täuscht diese Zahl etwas: Der FC Hansa hätte sich nämlich durchaus noch einige Gegentore mehr fangen können. Die Rostocker Gegner ließen bisher außergewöhnlich viele Hochkaräter liegen, scheiterten an Kolke oder am Gebälk. Braunschweigs Viererkette ist auch fehleranfällig, aber um einiges stabiler als die Rostocker Hintermannschaft. Zumal beim FC Hansa Sven Sonnenberg und Nico Rieble erst noch ihre Konstanz beweisen müssen. Außerdem spielt beim BTSV mit Bernd Nehrig ein toller Drittligaspieler auf der Sechs. Vorteil: Braunschweig.

13:30. Die Rostocker Aufstellung ist da, und siehe da: Nur einer der „Last-Minute-Neuzugänge“ steht in der Startaufstellung: Der ehemalige Braunschweiger Omladic. Interessant: Hansa spielt wohl Viererkette, Ahlschwede, vor Wochen noch undenkbar, sitzt draußen. So erwarten wir die Hansa-Elf:

Kolke – Neidhart, Rieble, Sonnenberg, Butzen – Bülow – Pepic, Omladic – Vollmann, Breier, Opoku.

Unsere Meinung: Eine gute, weil sehr ballorientierte Aufstellung, die das Umschaltspiel fokussieren wird. Omladic und Pepic können den Ball nicht nur halten, sondern auch gut verteilen. Pascal Breier spielt dort, wo er am besten ist: im Sturmzentrum. Es wird spannend sein, wie oft er sich an der Naht zur Abseitsfalle positionieren kann. Bold-Prediction: Breier kommt in ein 1:1 mit dem gegnerischen Torhüter.

Beachtlich ist die Bank: Mit Ahlschwede, Nartey, Atilgan, Verhoek und Pedersen hat der FC Hansa vier potenzielle Stammspieler als Ersatz dabei. Das ist nicht gut, das ist für Drittliga-Verhältnisse fast fantastisch.

13:35. Ein Nachtrag: Dass es für Marco Königs nicht für das Aufgebot reicht, ist schade. Er machte in den vergangenen Spielen einen sehr guten Eindruck. Er ist ein Härtefall. Auch Adam Straith, für mich eigentlich der beste Abwehrspieler der ersten Wochen, hat es nicht auf die Bank geschafft.

13:42. Head-to-Head: Offensive: Natürlich sind die Gastgeber hier vorne. Braunschweig spielt offensiv famos, hat mit Bär, Proschwitz und dem fulminanten Kobylanski tolle Individualisten. Aber: Rostock ist nicht so weit unterlegen, wie manche befürchten mögen. Wenn Opoku, Vollmann und Breier harmonieren und in Topform agieren, ist auch dieses Trio drittligaweit zu fürchten. Und: Hansa hat auf der Bank womöglich die besseren Energizer. Trotzdem: Vorteil Braunschweig.

13:50. Der letzte Post in diesem Takt, denn während des Spiels posten wir nur maximal dreimal pro Halbzeit. Warum kann Hansa gewinnen? Weil die Mannschaft in Ingolstadt und gegen Münster richtig gut war, nun ausgeruht ist und vor allem: Während des Spiels mit neuer Energie auf Herausforderungen reagieren kann. Vollmann, Breier und Opoku – dieses Line-Up ist sehr schnell und gut am Ball. Gerade gegen das offensive Braunschweig ist das personell – auf dem Papier – die bestmögliche Wahl. Ich glaube an ein 2:1. Wenngleich das eine handfeste Überraschung wäre. Braunschweig ist ein toller Gegner, und das macht sehr viel Lust auf die kommenden 90 Minuten.

14:04. Wow! 1:0 Rostock. 

Das muss jetzt mal sein: das schnelle und trotzdem verdiente 1:0 für Hansa. Und was für ein Tor von Nico Neidhart. Schweißt den Ball unter die Latte. Davor ein traumhafte Kombination über Opoku und Vollmann. Omladic und Pepic sehr präsent und dominant am Ball. Irre.

14:20. Update Halbzeit 1: Es wird langsam der erwartete Fight. Braunschweig kommt besser ins Spiel, hatte sogar eine richtig gute Chance. Die Eintracht sucht die Lücke zwischen Neidhart und Rieble, spielt nur über die eigene rechte Seite. Aber auch Rostock offensiv weiter gefällig. Vor wenigen Minuten muss nur ein Pass auf Opoku besser kommen, und Hansa stürmt 1:1 auf das Tor. Bei Hansa sind Omladic und Vollmann sehr präsent, Opoku oft in gefährlicher Position. Breier am blassesten, das drückt Qualität aus. Bülow mit zwei, drei starken Aktionen, um Angriffe zu unterbinden. Der Dude auf der Sechs liefert wieder ab.

14:40. 2:1 Hansa. Zwei Tore in sehr kurzer Zeit. Und beide sind sie verdient. Erst macht Rostock das 2:0, Breier, steht nach einem Konter, den er mit Opoku initiiert,  frei vor dem Tor. Es folgt ein sicherer Abschluss. Kurz darauf trifft einer der Bären-Braunschweiger, Marcel Bär. Sonnenberg und Rieble sehen nicht gut aus, Kolke ist im 1:1 jedoch chancenlos. Mehr dazu in der Halbzeit. Ein tolles Fußballspiel.

Halbzeit-Feedback: Ein sehenswertes Spiel, voller Tempo und mit viel spielerischer Energie. Hansa führt verdient 2:1, ist mindestens ebenbürtig. Wobei das eigentlich eine Untertreibung ist. Nik Omladic ist ein toller Kicker mit einem sehr guten ersten Schritt, der zudem auch defensiv gut arbeitet. Ein Gewinn.

Was mir noch gefällt:

  • nicht nur wegen des Tores: Nico Neidharts rechter Fuß macht Freude. Er nutzt ihn als Linksverteidiger sehr effizient, spielt gute, scharfe Pässe.
  • Rostock bringt, wie in der Vorschau erhofft, viele Bälle flach oder halbhoch in den Strafraum. Das 2:0 fiel auf diese Weise. Braunschweig klärt nicht wirklich gut.
  • Rostock ist ohne Strafraum-Tanker viel beweglicher. Die Offensiven rotieren beeindruckend, alle auf dem Platz sind sehr spielfreudig.
  • Mirnes Pepic macht viele Meter, er ist sehr ballsicher und „decisive“, entscheidungsfreudig und handlungsschnell. Bülow räumt beherzt ab, ohne die Ruhe zu verlieren.

Was mir nicht gefällt:

  • Hansa macht aus guten Situationen noch nicht das Maximum. Die Abschlüsse können noch druckvoller sein.
  • Opokus Schwächen in der Rückwärtsbewegung, die Härtel schon am ersten Spieltag bemängelte, sind nach wie vor da. Nicht ohne Grund ist die linke Seite bisher sehr verletzlich.
  • Das Gegentor fiel zu einfach.

Was wichtig wird:

  • Kann Hansa die klaffende Wunde hinten links schließen?
  • Wie bekommt Hansa mehr Ruhe in die Partie, und wie gut klappt das Kontern bei noch mehr Platz?
  • Wie bleibt Hansas sehr junge Innenverteidigung ruhig?

15:20. 65. Minuten sind gespielt, und ein kleiner Schock: Pepic muss verletzt raus. Für ihn kommt Nartey, auf den ich sehr gespannt bin. Pepic hat ein gutes Spiel gemacht. Ansonsten siedet das Spiel ein bisschen, es kocht aber noch nicht. Hansa ganz früh mit einem guten Angriff, aber leider jetzt sehr unsauber. Bülow leitete die zweite ordentliche Chance mit der Hacke ein. Vollmann kommt etwas zu spät.

Braunschweig wird immer besser und mit guten Flanken, Neidhart mit einem ganz wichtigen Foul. Das wird eine Zitterpartie. Auch weil Kolke eben klatschen lässt und Kobylanski dadurch eine Großchance bekommt. Hansa braucht Entlastung. Dringend.

15:37. Es geht in die letzten zehn Minuten. Die gute Nachricht: Es steht noch 2:1. Entlastung kann Hansa sich aber kaum erspielen. Und eben hatte Rostock sogar reichlich Schiedsrichterglück. Riebles unnötiges Einsteigen gegen Ademi – das hätte auch ein Elfmeter sein können.

15:51. Sieg! Hansa gewinnt 2:1. Aufgrund einer starken Leistung in der ersten Halbzeit ist der Sieg beim bisherigen Tabellenführer sogar verdient. Härtel stellte die Mannschaft gut auf und ein, Breier knipste. Nico Neidhart ist ein großes Upgrade auf der Linksverteidigerposition.

Unsere ersten Gedanken: (Die ausführliche Kolumne gibt es im Laufe der Woche)

  • Kai Bülow schreibt weiter an seiner Erfolgsstory, er gefiel mir überaus gut, bereitete sogar offensiv eine Chance vor. Stark: Wie er in der Schlussphase in der gegnerischen Hälfte einen Ball gewinnt.
  • Die Neuzugänge: Omladic war in vielen Szenen gedankenschnell und präsent, genauso Nartey, der seine extreme Physis einbrachte.
  • Nico Neidhart spielte nicht nur wegen seines Tores toll. Sehr robust im Zweikampf und ballsicher in der Vorwärtsbewegung.
  • Opoku mit viel Spielfreude, er muss aber dringend defensiv sauberer arbeiten.
  • Wer nach diesem Spiel behauptet, Pepic würde nicht beißen, darf sich gerne am Backenschellenautomaten melden. Wie Härtel im Interview sagte: Pepic hat überragend gespielt.
  • Nils Butzen agierte defensiv beherzt, er ist ein Gewinn. Verrückt: Ahlschwede, der die Saison toll begann, steht plötzlich hinten an.
  • Braunschweig kam „nur“ zu drei, vier guten Torchancen. Das ist ein guter Wert. Trotzdem bleibt die Innenverteidigung die größte Sollbruchstelle.
  • In der zweiten Halbzeit spürte man, dass die Rostocker plötzlich Angst hatten, etwas zu verlieren. Es fehlten die mutigen Pässe. Aber am Ende blieb der Sieg.

Und fett geschrieben: Jens Härtel und Martin Pieckenhagen haben eine breite, starke und bisweilen hochveranlagte Mannschaft zusammengestellt. Und vor allem hat der Trainer die Anlagen der Mannschaft nun auf das System übersetzt. Keine Dreierkette, kein klassischer Stoßstürmer, kein Zerstörer wie Öztürk, sondern mehr Ruhe mit Bülow. Das macht Lust auf mehr.

 

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.