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Rando Aust

Rando Aust: „Ich bin ein Fan der repräsentativen Demokratie“

Rando Aust ist ein gefragter Mann im Hamburger Sport. Unter anderem ist er Vorstandschef der Alexander Otto Sportstiftung, verteilt jedes Jahr erhebliche finanzielle Mittel an den Sport in Hamburg. Wir waren mit ihm joggen.

Ein schöner Sonntagmorgen. Mild, die Sonne scheint, nur ein paar Wolken ziehen im seichten Wind über Hamburg hinweg. Rando Aust hat ein Lächeln auf den Lippen, als er sich vom Fahrrad schwingt und in Laufmontur auf die Alsterrunde geht: „Ich war seit drei Monaten nicht mehr richtig laufen. Probleme mit der Achillessehne“, sagt er. Für uns wagt er ein Comeback. 

Herr Aust, sie arbeiten für und koordinieren die Arbeit diverser Stiftungen, unter anderem sind Sie Vorstandsvorsitzender der Alexander-Otto-Sport-Stiftung. Das klingt nach: Geld ausgeben, das ein anderer verdient hat. Ein Traumjob.
Wenn man es ganz einfach formulieren möchte, dann kann man das so sagen. Aber es steckt schon viel mehr dahinter. Wir prüfen Anfragen sehr genau, die Antragsteller müssen ihre Projekte bei uns präsentieren und wir gleichen diese mit unseren ideellen Vorstellungen ab. Denn wir wollen das Geld ja nicht einfach loswerden, sondern es nachhaltig einsetzen. Das ist meine Aufgabe.

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Nachhaltig ist ein starkes Wort.
Aber darum geht es uns. Wir wollen das Geld zum Wohle der Gesellschaft und im Sinne der Ideen unserer Stiftungen sinnvoll verteilen. Wir wollen Projekte starten, die den Menschen helfen, sehen uns als finanzieller Starthelfer. Unser Hauptziel ist es dabei, dass die von uns unterstützten Projekte schnell selbstständig werden. Wir wollen Anschub sein, sie aber nicht dauerhaft finanzieren.

Gibt es ein Beispiel?
Wir haben vor ein paar Jahren einem Projekt geholfen, das jungen Schülern das Radfahren beibringt, die es nicht zuhause lernen konnten. Mittlerweile verbreitet sich das Projekt ohne unser Zutun in der ganzen Stadt. Genau so stellen wir uns das vor.

Dann hätte ein Antrag des HSV Handball keine Chance gehabt?  Haben die einen gestellt?
Nein, natürlich nicht. Der HSV Handball ist Mieter in der Volksbank Arena und von daher sind wir mit den Verantwortlichen  seit vielen Jahren im engen und vertrauensvollen Austausch. Aber bei der Stiftung geht es uns nicht um den Profisport, sondern eher um die gesellschaftliche Breite. Wir sehen uns vornehmlich als Unterstützer im Nachwuchs- und Behindertensport, bei den Themen Inklusion und Integration.

Kilometer fünf. Es läuft bei Aust, die Achillessehne spielt mit. Schweiß im Gesicht, aber keine Schmerzen. Zeit für Privates. Austs Karriere: Bundeswehr mit Politik-Studium, CDU, dann Privatwirtschaft. Der sporting-Läufer: Sozialdemokrat. Verstehen uns trotzdem. Auf der Alsterrunde sind wir alle gleich, netter Gedanke von Aust.

Gesellschaftlich dominant ist das Thema Flüchtlinge. Helfen Sie auch da?
Auf alle Fälle. Wir haben spontan im vergangenen Jahr einen Fonds mit einem Budget von 20.000 Euro zur Verfügung gestellt. Den geflüchteten Menschen in der Stadt zu helfen, ist uns ein großes Anliegen.

Hat die Unterstützung aus Ihrer Sicht nachgelassen?
Wir sehen an den vielfältigen Anträgen von Initiativen zur Flüchtlingshilfe, dass ungebrochen auf einem hohen ehrenamtlichen Niveau geholfen wird. Das stimmt positiv und wir unterstützen dabei gern.

Wie kann der Sport bei der Integration helfen?
Wir leben in einer Welt mit vielen kulturellen Unterschieden. Aber im Sport wird auf der ganzen Welt nach den gleichen Regeln gespielt. Er ist eine Sprache, mit der wir uns verständigen können, die alle Menschen eint.

Wie kann man Flüchtlinge am besten über den Sport erreichen?
Indem wir sie teilhaben lassen am Sport. Mit vielen Vereinen sind wir in Gesprächen, so dass wir Flüchtlingen auch Vereinsangebote vermitteln können. Sie werden dann hoffentlich Teil einer Mannschaft oder des Vereins und fühlen sich schnell aufgenommen.

Es geht wieder ganz nah ans Wasser, die letzte Kurve: Zeit für Olympia-Fragen. Nützt ja nix.

Ihr Unternehmen hat Hamburgs Olympia-Bewerbung finanziell unterstützt: Passt das zu Ihren selbst auferlegten nachhaltigen Ansätzen im Sinne der Gesellschaft?
Die Olympischen und Paralympischen Spiele wären eine einmalige Chance für die gesamte Stadt gewesen: Ein neuer Stadtteil, neue Jobs und ganz neue Möglichkeiten für den Sport-Standort Hamburg. Das hätte aus unserer Sicht positive Effekte auf viele sehr nachhaltige Themen gleichermaßen gehabt.

Haben Sie für das „Nein“ Verständnis gehabt – immerhin warten andere, große Aufgaben auf das Land?
Mit den Herausforderungen der Flüchtlingssituation, den Anschlägen von Paris und den jüngsten Skandalen im Spitzensport gab es auch Argumente gegen Olympia. Was mich enttäuscht hat, war, dass offenbar zahlreiche Gegner Olympia abgelehnt haben, ohne sich richtig zu informieren. Diesen Eindruck gewann ich in vielen Gesprächen.

Mit welcher Konsequenz?
Ich bin ein Fan der repräsentativen Demokratie. Es sollen die entscheiden, die sich mit komplexen Themen tagtäglich beschäftigen, die genau abwägen können und dann Verantwortung dafür tragen. Die Politiker wurden vom Bürger dafür gewählt – und werden wenn man mit ihnen unzufrieden ist ja auch abgewählt.

Hat das Rathaus mit dem Referendum deswegen einen Fehler gemacht?
Vor dem Hintergrund der Hamburger Verfassung war das Referendum richtig. Noch schlimmer wäre es nämlich gewesen, wenn es durch eine Volksinitiative zu einem späteren Zeitpunkt zu einer Ablehnung gekommen wäre. Das hätte ein erhebliches Mehr an Kosten und Mühe bedeutet und der Imageschaden für die Stadt wäre deutlich größer.

Können Sie Positives aus der Olympia-Enttäuschung mitnehmen?
Der Sport hat sehr gut zusammengearbeitet, die Vereine, Verbände, die Institutionen, aber auch die Privatwirtschaft haben sich gegenseitig für die gemeinsame Sache unterstützt. Das war nicht immer so und wird mir sehr gut in Erinnerung bleiben.

Geschafft! Bei strahlendem Sonnenschein biegt Aust auf die Zielgerade, die Achillessehne hat gehalten. Und 8 Kilometer in fast 40 Minuten bei einem munteren Schnack so läuft’s.

Dieser Artikel erschien zuerst in sporting hamburg.

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Hannes Hilbrecht

Wenn Hannes Hilbrecht nicht mittwochabends im Studentenkeller Moscow Mule trinkt, schreibt er für u.a. für ZEIT ONLINE, BLOG-TRIFFT-BALL oder seine HERMES-Bundesliga-Kolumne. Ab September ist sein Blog onewaytoseattle.com online. Sein Ziel: Auswandern in die schönste Stadt der Welt. Die ersten Schnipsel aus seinem ersten Roman-Projekt „W“ gibt es gratis dazu.