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Scholle

Das große Gespräch mit NTSV-Manager Scholz

Vizeblogger Jurkschat gönnte sich einen Vormittag mit Niendorfs First Manager Marcus Scholz.  Und der plauderte offen wie die eigene Abwehr über Fehler in der Vergangenheit und warum beim NTSV eben nicht mit der Kohle umhergeworfen wird. Das große INTERVIEW – HIER und nur JETZT.

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Herr Scholz, wie zufrieden ist ein Manager nach einem Saisonabschluss auf Platz 13?
Gar nicht. Wir haben damit gerechnet, dass wir Punkte liegen lassen werden, wo einem jungen Team zwei, drei erfahrene Leute helfen. Aber am Ende ist es ausgeufert und es waren zu viele Zähler, die wir liegen lassen haben. Negatives Highlight war das Bramfeld-Spiel, wo alle wussten, dass wir mit einem Sieg durch sind. Und dann führen wir und durch selten krasse individuelle Fehler, wovon wir dieses Jahr eine Menge hatten, verlieren wir da. Und dann brechen wir weg und sind kaum noch oberligatauglich. Dieses Spiel hat die Saison wiedergespiegelt.

Wir würden frech behaupten, es spiegelt die letzten fünf Jahre des Niendorfer TSV wider.
Nein, das Jahr zuvor beispielsweise war gut. Aber ich gebe Dir Recht, dass wir nicht die Erfolge hatten, die wir dachten haben zu müssen. Wir haben sicher Dinge falsch gemacht. Aber dieses Jahr möchte ich dann doch raus nehmen. Wir wussten schon, dass wir keine zu hohen Ziele ansetzen konnten. Wir haben den mit Abstand jüngsten Kader der Liga mit 21,4 Jahren. Wir haben letzte Saison bewusst einen Schritt zurück gemacht, um jetzt wieder nach vorne zu kommen.  Leistung ist der Maßstab, und wir haben das Glück, uns im und aus dem eigenen Verein heraus entwickeln zu können. Wir setzen vermehrt auf Eigengewächse, weil diese die Qualität mitbringen. Das wird mit einer A-Regionalliga-Mannschaft sicher nicht schlechter.

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Offizieller Partner der Ligamannschaft des Niendorfer TSV

Gab es Druck aus dem Verein?
Nein, aber den machen wir uns selbst. Aber die letzte Saison nehme ich da raus, weil wir wirklich auf tolle junge Talente setzten, die uns in den nächsten Jahren noch viel Freude bereiten werden. Denen muss man aber die Zeit zur Entwicklung geben.

Fragen mal frotzelig: Sollten auch Oberliga-Manager eine Lizenz machen?
Oh Gott. Nein. Wofür? Das ist völlig überwertet. Ich mache das freiwillig und kriege kein Geld dafür.

Im Vorgespräch sagten Sie trotz der miesen Saison: „Wir sind einen Schritt weiter.“ Erklären Sie das.
Das ist ja so mit jeder negativen Erfahrung. Die jungen Spieler nehmen das letzte Jahr intensiv auf. Weil es für manche eben auch das erste Jahr im Herrenbereich war. Jetzt sind sie im zweiten Jahr und nicht mehr neu. Das ist schon eine andere Situation. Sie können nun Erfahrungswerte anwenden.

Wir notieren: Die Jugend ist der neue Niendorfer Weg.
Definitiv. Fakt ist einfach, dass wir einen Fundus im Nachwuchs haben, der immer vernachlässigt wurde.

So manche Vereine leben offenbar in den Tag hinein. Verfolgen Sie einen Plan?
Ja. Wir haben vor zwei Jahren einen Plan entwickelt. Und wir sind schon eine Stufe weiter als wir es wollten und haben jetzt schon im Jugendbereich A-, B- und C-Jugend in der Regionalliga.

Was steht am Ende dieses Plans? Die Liga 4 für die 1. Mannschaft?
Nein. Die Regionalliga ist in dem Plan nicht enthalten. Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil sie noch unrealistisch ist. Wenn sich irgendwo mal finanziell eine Tür öffnen sollte, werden wir diese sicher nicht zuknallen.

Wie überzeugen Sie junge Spieler von Fußball in Niendorf?
Mit unseren Bedingungen. Wir entwickeln sie und können sie höherklassig trainieren lassen. Wir müssen jetzt andere Mittel finden und Jugendarbeit ist da ganz wichtig. Wenn du irgendwann bekannt bist, dass du Leute nach oben bringst, hast du immer Zulauf. Und dann ist es wichtig intern Perspektiven zu bieten und nicht nur zu erzählen, wie es phasenweise in anderen Vereinen passiert. Den Spielern wird teilweise Mist erzählt, dass nach ein paar Wochen oder Monaten die Bomben platzen. Gab es zuletzt ja häufiger. Kann man machen, ist aber nicht unser Ding.

Ähnlich wie einen Spieler bremst es doch aber auch einen Manager aus, wenn man weiß: In der Oberliga ist Endstation.
Das sagt ja keiner. Nur im Moment wäre es sehr vermessen darüber zu reden. Ich möchte niemals so eine Situation haben wie zuletzt bei anderen Vereinen. Da werden Spieler geholt, die mit der Regionalliga gelockt werden. Und plötzlich fällt den Offiziellen ein, dass es doch nicht geht. Oberstes Credo ist Zuverlässigkeit den Spielern gegenüber. Wenn wir irgendwann die Möglichkeit für Höheres haben, müssen sich die Auflagen etwas aufweichen und eine Menge Eventualitäten eintreten.

Apropos Endstation. Trainer Frank Hüllmann ist kürzlich gegangen. Ein Wort noch dazu.
„Hülle“ macht eine Pause. Er ist der Trainer, der das Langzeitprojekt „Team Niendorf“ mit Leben gefüllt hat. Er hat Bock, Leute zu entwickeln, mit anderen Trainern zusammenzuarbeiten. Es macht Spaß mit ihm und wir hoffen, dass er seine privaten Dinge regeln kann und bald wieder bei uns ist.

Aber dennoch: Hätte er – oder darf Vahid Hashemian – sich Platz 13 im kommenden Jahr nochmals erlauben?
Wir werden niemals eine Trainerpostion vom Tabellenplatz abhängig machen, das ist ja Quatsch. Wir wissen ja woran es zuletzt lag.

Woran?
An vielem. Gegen diese Anzahl individueller Fehler kommt kein Trainer an. Dann haben uns im Winter Schlüsselspieler trotz anderslautender Zusagen verlassen. Deren Erfahrung fehlte.

Wie sieht es nun die 2013/2014 aus? Große Ziele und dann wieder viel Leerlauf?
Nein, die Mannschaft ist einen Schritt weiter. Wir können nicht den Markt abscannen und mal eben sieben, acht fertige Leistungsträger holen und sagen, dass der Titel das einzige Ziel ist. Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Und ich sage auch, dass es ein einstelliger Tabellenplatz sein muss.

Wobei auch Nico Patschinski und Patrick Schumann helfen soll. Noch zwei Talente …
Auf gewissen Positionen braucht das Team einfach Erfahrung. Wir haben mit Patsche und Schumi nun aber Männer, die uns helfen werden. Wir haben letztes Jahr zu viele Tore kassiert und zu wenig geschossen. Das ist eine miserable Rechnung, die die beiden nun ausgleichen sollen. Ob und wann Patsche nach seiner Verletzung aber wieder fit ist, steht noch nicht fest.

Hat man sich erschrocken, dass man einen Star wie Patschinski verpflichten konnte?
Nein, es hat uns gefreut. Nach Witti hatten wir ewig keinen echten Ankermann da vorne drin. Jetzt schon. Ein gesunder Patschinski kann auch mal scheiße spielen und wird uns trotzdem helfen. Die Jungs um ihn herum werden da eine Menge lernen. Und er ist nicht der Star-Typ, sondern einer wie du und ich. Er hat eine ganz wichtige Rolle und weiß das auch.

Nervt das Gerede, dass Niendorf gerne mit der dicken Knete wedelt?
Es wird ja immer viel erzählt. Aber wäre dem so, könnten wir es uns leicht machen und einen Hochkaräter nach dem anderen holen. Aber das machen wir nicht. Nein, es scheitern Jahr für Jahr viele Gespräche am Geld, weil andere Vereine einfach mehr zahlen. Auch welche, die hinter uns stehen. Und das ist auch okay. Ich habe überhaupt keinen Groll gegen diese Vereine. Es ist doch toll, wenn Elmshorn, Curslack, Dassendorf und Co. das können. Das haben sie sich erarbeitet und dann sollen sie es machen. Aber wir werden sicher keinem Spieler sein Leben finanzieren. Das haben wir nicht, machen wir nicht und geht auch nicht.

Herr Scholz, wir danken.

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Harry Jurkschat

Seit Gründung mit auf dem brennenden BTB-Rasen. Im Gegensatz zu Semmler ist Jurkschat smart. Eine Mischung aus Mehmet Scholl und Günter Netzer. Der ewig 31-Jährige Insiderexperte harmoniert sich von Meppen bis Kiel, ist der Ausbügler und Staubsauger in der 2. Reihe. Dazu kommt aufgrund internationaler Fussball-Erfahrung (6 Länderspiele für Deutschland) Know-How im Wesentlichen. Manko: Bisweilen zu symphatisch und häufig mit den Sekretärinnen beschäftigt.