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Die High-End-Handschuhe für Amateurkeeper

„Keepersein ist richtig teuer“, sagt ein Torwart, der vor Jahren mal durch die Bundesliga hechtete und mittlerweile in der Bezirksliga Bälle klärt. Denn: Drei bis fünf, manchmal sogar zehn Paar Torwarhandschuhe verbraucht ein Keeper, egal in welcher Klasse, pro Spielzeit. Für Amateurkeeper stellt das schnell ein kostspieliges Vergnügen dar. Matthias Leibitz vom deutschen Start-Up T1TAN will nun bezahlbare High-End-Handschuhe für die Titanen der kleinen Plätze anbieten.  

Herr Leibitz, wie kommt man auf die Idee, → Torwarthandschuhe zu produzieren?
Ich war jahrelang Torhüter und hatte wie jeder Keeper eine sehr innige Beziehung zu meinen Handschuhen. Ich habe mich dann irgendwann gefragt, warum es keine hochwertigen Handschuhe speziell für den Amateurfußball gibt.

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Wie sehen diese Handschuhe für Amateurkeeper aus?
Sie haben die gleiche Qualität wie die Handschuhe der Profis, sind aber dafür ausgelegt, sehr lange zu halten. Ein Profitorhüter bekommt im Normalfall nicht nur Geld dafür, wenn er Modelle trägt, sondern auch viele Freipaare. Da ist es nicht so schlimm, wenn  Handschuhe die Belastung nicht lange überstehen. Für einen Amateurkeeper kann das hingegen kostspielig werden.

Aber wenn ihre Modelle günstiger sind, könnte man ja erwarten, dass an der Qualität gespart wird.
Wir halten unseren Preis gering, weil wir auf Schnickschnack verzichten. Auf alles, was ein Torwandhandschuh nicht braucht und Geld kostet, wird verzichtet. Außerdem setzen wir  nicht auf Werbung und Sponsoring. Das macht bei den Großmarken zirka 30 Prozent des Verkaufspreises aus.

Was ist Schnickschnack?
Bei der WM 2006 wurde die Innenseite der Handschuhe mit Rillenmustern der Beschaffenheit der Handflächen nachempfunden, das war der neueste Schrei. Das sah vielleicht gut aus, half aber nicht beim Torwartspiel. Es war eine optische Spielerei. Die erhöht den Produktionsaufwand und steigert somit die Kosten. Und natürlich wurde diese Kleinigkeit kräftig auf den Endpreis draufgeschlagen.

Produzieren Sie ihre Handschuhe selbst?
Wir lassen wir alle anderen großen Hersteller die Handschuhe in Pakistan herstellen. Pakistan ist sozusagen das Mekka für Torwandhandschuhe. Die Qualität ist beeindruckend.

Und werden sie dort auch entwickelt?
Das ist unsere Aufgabe. Wir entwickeln unsere eigenen Linien, stimmen die Größen und Passformen ab. Auch suchen wir die Materialen heraus. Farbe und Design kommt auch von uns.

Muss man dafür studiert haben?
Ich habe ganz normal BWL studiert. Das Design von Handschuhen war Learning by Doing.

Wie lange braucht es für die Umsetzung? So ein Handschuh fällt, salopp gesagt, nicht vom Himmel.
Das waren bei unserer ersten Linie an die zwei Jahre. Es ist ja nicht nur der Handschuh, der Zeit in Anspruch nimmt, sondern vor allem die richtige Herstellung. Wir haben Fabriken getestet, uns Muster zuschicken lassen. Wir mussten ja erst herausfinden, wo und wie unsere Ideen am besten umgesetzt werden.

Torwarthandschuhe-Innennaht

Und die Entwicklungszeit selbst? Man setzt sich ja den Anspruch, besser zu sein als andere.
Wir haben unsere neuesten Muster immer von Amateurspielern testen lassen. Sie gaben uns dann Feedback. Ob sie zu locker oder zu eng waren, ganz allgemein ob es Probleme gab. Und sie sich darin wohlwühlen. So sind bis zu 24 Monate vergangen, bis wir das erste Paar anbieten konnten.

Woran erkenne ich als Laie einen guten Handschuh?
Er muss eng anliegen, darf aber nicht drücken. Außerdem muss die Luft zirkulieren, um Schweiß zu vermeiden. Ein ganz wichtiger Faktor ist die Innenseite des Handschuhs. Weißer Latex aus Deutschland ist ein absolutes Qualitätsmerkmal.

Weißer Latex?
Die Außenfläche auf der Innenhand. Umso mehr Grip sie hat, desto besser lassen sich Bälle festhalten. Und ganz wichtig ist, dass er weiß ist.

Warum?
Es wird an manchen Handschuhen mit farbigen Haftschäumen gearbeitet, die sollen die Innenseiten aufregender gestalten. Das erhöht den Wiedererkennungseffekt, wenn ein populärer Keeper diese Handschuhe trägt. Sie verkaufen sich deshalb besser als andere Modelle. Aber wenn der Haftschaum eingefärbt wird, lässt der Grip nach. Die Handschuhe verlieren an Qualität.

In meiner Jugend waren Torwandhandschuhe mit Fingerprotektoren sehr beliebt. Das war vor etwa zehn Jahren. Sind sie heute immer noch ein Renner?
Sie sind ganz klar ein Verkaufsschlager, auch in unserem Sortiment. Aber ich kann Torhütern eigentlich nur Handschuhe ohne Protektoren empfehlen.

Trotz des Sicherheitsvorteil, den diese Modelle besitzen?
Die Handschuhe sind gut, wenn man vielleicht eine Verletzung hatte und sich langsam zurückfinden möchte. Sie vermitteln Sicherheit und helfen beim Eingewöhnen nach einer Pause. Hält man nur mit Protektoren, werden die Hände und insbesondere die Finger nicht so trainiert, wie es geschehen würde, wenn man ohne die zusätzliche Hilfe hält.

Welche Zielgruppe raten Sie vom Kauf ab?
Ich spreche mit vielen Eltern darüber. Sie wollen natürlich ihre Kinder schützen. Aber anderseits fehlen den jungen Keepern dann wichtige Trainingsreize. Wenn sie im Erwachsenenbereich auf normale Handschuhe setzen wollen, können sie nicht unbeschwert wechseln, weil ihre Hände nicht trainiert genug sind. Gerade dann steigt das Verletzungsrisiko.

Gibt es Sondervarianten bei den Handschuhen? Kann man sie so gestalten, dass sie für alle nützlich sein können?
Ja, durchaus. Wir bieten Handschuhe an, in denen man die Protektoren einzeln herausnehmen kann. Wenn ein Finger lädiert war, kann man ihn separat schützen, während die restliche Hand frei bewegbar bleibt.

Wie sieht es bei den Profis aus? Sind da Protektoren-Fans vertreten?
Edwin van der Saar trug früher diese Modelle. An andere Weltklasse-Keeper kann ich mich nicht erinnern. Auch in der Bundesliga wird ausschließlich mit Handschuhen ohne Protektoren pariert.

Ihre Handschuhe sind nicht im Einzelhandel zu bekommen? Liegt es an der Unbekanntheit der Marke?
Das liegt in unserem Interesse. Würden wir die Handschuhe in Sportgeschäften vertreiben lassen, würde das wieder auf Kosten des Kunden geschehen. Denn auch der Betreiber des Sport-Geschäfts möchte eine Marge erzielen. Deshalb gibt es die Handschuhe nur bei uns und das auch zum bestmöglichen Preis.

Torwarthandschuhe-Lasche

Wie kommt man ohne Werbung aus? Gerade als Start-Up ist Popularität entscheidend.
Wir leben von der Mund zu Mund Propaganda und wir profitieren von der Eigenschaft eines Torhüters. Der hat wie gesagt eine enge Beziehung zu seinen Handschuhen, sie ist auch weit enger als die zwischen Feldspieler und Fußballschuh. Und da die Handschuhe so wichtig sind, wird darüber gesprochen. Und es wird uns geholfen, wenn Torhüter zufrieden halbe Romane bei der Produktkritik hinterlassen.

Wie viele Handschuhe vertreiben Sie pro Jahr?
Das ist eine Zahl im niedrigen, vierstelligen Bereich.

Ist es ein Ziel, dass ihre Handschuhe bald in der Bundesliga getragen werden?
Das wird sehr schwer sein, gerade weil wir den Werbeetat nicht aufbringen können und überhaupt aufbringen möchten. Dennoch freuen wir uns über ähnliche Erfolge. Über alte Kontakte konnten wir die Mannschaft der Vereinigten Arabischen Emirate ausrüsten. So waren unsere Handschuhe auf einmal mittendrin im europäischen Geschehen.

Nun wurde ihr Start-Up „Titan“ nach dem Titanen Oliver Kahn benannt. Hat er schon Notiz genommen?
Ja, wir haben uns mal zufällig getroffen. Da habe ich ihm ein Paar gegeben, er hat sie gleich anprobiert und gesagt, dass sie sich gut anfühlen. Dass er sie auch ausprobiert hätte, wenn er noch spielen würde. Das war für uns ein großer Moment.

Konnten Sie dem Titan noch einen Kniff entlocken?
Er hat uns erzählt, dass er damals noch mit Außennahthandschuhen gespielt hat. Er gar nicht wusste, dass es auch andere gab. Da musste ich schmunzeln.

Dann erklären Sie den Titanen vom Ascheplatz, wo der Unterschied zwischen Innen- und Außennaht liegt.
Bei der Innennaht sind die Handschuhe enge, die Hand kann nicht im Handschuh hin und her rutschen. Das ist bei Außennaht-Varianten immer ein größeres Risiko. Im Endeffekt ist eine Gefühlssache. Die einen Keeper mögen es so, die anderen so.

Mehr Informationen auf → t1tan.eu

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Hannes Hilbrecht

Wenn Hannes Hilbrecht nicht mittwochabends im Studentenkeller Moscow Mule trinkt, schreibt er für u.a. für ZEIT ONLINE, BLOG-TRIFFT-BALL oder seine HERMES-Bundesliga-Kolumne. Ab September ist sein Blog onewaytoseattle.com online. Sein Ziel: Auswandern in die schönste Stadt der Welt. Die ersten Schnipsel aus seinem ersten Roman-Projekt „W“ gibt es gratis dazu.