Top
mario basler

Mario Basler: „So richtige Freunde gibt es ja im Fußball gar nicht“

Mario Basler ist eine Legende der Bundesliga. Egal ob bei Werder Bremen, beim FC Bayern oder in Kaiserslautern – „Super Mario“ war stets Leistungsträger und Publikumsliebling. Im Interview spricht der 48-Jährige über seine Ex-Klubs, warum Fußballer ihr Geld verdienen, den Neid auf RB Leipzig und Kevin Großkreutz.

Foto: Getty Images

Kevin Großkreutz zählt ebenso wie Sie zur Kategorie der Typen mit Ecken und Kanten, die ihre Meinung gerne und oft kundtun. Haben solche Typen im heutigen Fußballbusiness noch eine Chance?
Kevin ist ein hervorragender Typ, menschlich wie sportlich. Jetzt hat er zuletzt Fehler gemacht und zusätzlich hat sich über die Jahre einiges angehäuft. Die letzte Aktion beim VfB Stuttgart war natürlich untragbar. Es spricht ja nichts dagegen, wenn man am Abend rausgeht und ein Bier trinkt oder auch einmal feiern geht, wenn der nächste Tag frei ist. Das Ganze aber mit Jugendspielern zu machen, die 15 oder 16 Jahre alt sind, geht natürlich nicht. Man muss als Fußballprofi aufpassen, wo man sich bewegt und in welchen Lokalen man ist. Man muss auch aufpassen, mit wem man dort ist und es darf vor allem nichts passieren. Dinge wie Schlägereien oder Ähnlichem muss man aus dem Weg gehen. Solche Fehler darfst du nicht machen.

rehnelt_zeitarbeit

Ist hier vielleicht eines der Probleme, dass jeder diverse Social Media-Profile hat und auch in Echtzeit alles dokumentiert werden kann und wird?
Die Spieler sorgen ja selber durch ihre vielen Onlineprofile dafür. Wenn man permanent postet, wo man ist, mit wem man zusammen ist, was man isst, was man trinkt und dann versehentlich mal um 3 Uhr nachts postet, kann ich nicht sagen, dass ich um 12 Uhr im Bett war. Dadurch, dass die Spieler dazu neigen alles von sich preiszugeben, kommen Ungereimtheiten viel leichter an die Öffentlichkeit. Daran sind die Spieler aber teilweise selbst schuld. Bei uns war das anders. Ja, es gab das Internet in der Form noch nicht, aber ich denke, wir waren auch ein bisschen schlauer. Wir sind auch am Abend ausgegangen und das hat niemand mitbekommen (lacht).

Paul Scharner hat kürzlich gesagt, dass der Teamgeist oder die Vorstellung von 11 Freunden sowieso eine Illusion ist. Wie sehen Sie das?
Das ist nicht nur heute, sondern war schon immer so. So richtige Freunde gibt es ja im Fußball gar nicht. Man ist eine Gemeinschaft für eine kurze Zeit und dann verliert man sich meistens aus den Augen. Der eine macht beruflich etwas ganz Anderes, den anderen verschlägt es ins Ausland. Da gebe ich ihm Recht, die Vorstellung der 11 Freunde auf dem Platz entspricht nicht der Wahrheit.

Nachdem Max Eberl und Philipp Lahm den Sportdirektorposten bei den Bayern ablehnten, ist die Position immer noch vakant.
Max ist ein hervorragender Sportdirektor, das hat er in Gladbach bewiesen. Die Bayern sind zwar noch einmal eine Hausnummer größer, aber Max wäre für den Posten sicher einer der Besten.

Warum hat Lahm den Job nicht angenommen?
Mich hat es gewundert, dass man Philipp (Lahm, Anm. d. Red.) den Posten direkt angeboten hat. Ich glaube, es wäre erst einmal wichtig, dass sich Philipp dort in Ruhe einfinden kann. Er ist ein hochintelligenter Spieler und Mensch, aber vielleicht hat er sich den Posten selbst noch nicht zugetraut. Aber wie das abgelaufen ist, wissen wir ja alle nicht.

Bei einem weiteren Ihrer Ex-Clubs geht es die letzten Jahre Auf und Ab. Wie stehen die Chancen für Werder Bremen dieses Jahr?
Derzeit stehen die Chancen sehr gut. Ich glaube, die vielen Punkte aus den letzten Spielen sprechen eine deutliche Sprache. Jetzt ist wieder Land in Sicht, was vor ein paar Wochen nicht der Fall war.

Wie stehen Sie zu RB Leipzig?
Leipzig hat sich sportlich für die Liga qualifiziert, ob mit viel Geld oder wenig Geld ist in dem Zusammenhang komplett egal. Durch die Qualifikation hat man die Berechtigung in der Bundesliga zu spielen. Da ist jegliche Kritik unangebracht. Außerdem wären viele Vereine froh, wenn ein Herr Mateschitz zu ihnen käme und sagen würde: „Hier habt ihr mein Geld, macht daraus was und spielt Fußball“. Natürlich fehlt da die Tradition, aber die entsteht nicht von heute auf morgen. Bei Leipzig sind alle Spiele ausverkauft, das wird sich auch die nächsten Jahre nicht ändern und somit erwächst dort ja gerade eine Tradition.

Woher kommt dann die Kritik vieler anderer Vereine?
Viele sind neidisch. Wenn heute ein Herr Mateschitz zum 1.FC Kaiserslautern käme und denen € 100 Mio. bieten würde, glauben Sie der Verein würde die Millionen nicht nehmen? Natürlich würde er das Geld nehmen. Von 100 Klubs würden es wahrscheinlich 95 Klubs nehmen. Es ist ja auch überhaupt nichts Verwerfliches dran.

Sandro Wagner hat mal gemeint, dass Fußballer noch zu wenig verdienen.
Also zu wenig verdienen Fußballer sicher nicht. Aber zu viel kann man auch nicht verdienen. Wenn ein Verein bereit ist eine gewisse Summe zu zahlen, warum sollte sie der Spieler nicht nehmen? Der Spieler regelt seinen Wert ja selbst. Spielt er gut, verdient er auch gut. Wenn der FC Bayern oder der FC Chelsea einem Spieler € 20 Mio. jährlich zahlen wollen, warum sollte er das Geld nicht nehmen? Er wäre ja blöd, wenn er das tut.

Warum entsteht dann Ihrer Meinung so viel Kritik an den Spielergehältern?
Da spielt der Neid wieder eine große Rolle. So wie er überhaupt in unserer Gesellschaft eine riesige Rolle spielt. Natürlich können viele nicht verstehen, warum Fußballer, die vielleicht 3 Stunden am Tag trainieren, € 10 Mio. im Jahr oder € 1 Mio. im Monat verdienen und der Verkäufer, der 8 Stunden pro Tag im Geschäft steht, verdient nur € 3 Tsd. im Monat. Das ist schwer nachzuvollziehen, aber das ist eben der Markt. Fußballer spielen 15 bis 20 Jahre maximal und müssen in der kürzeren Zeit ihr Geld verdienen, während der Arbeiter 40 Jahre arbeiten geht. Klarerweise verstehe ich da die Kritik, aber das ist eben Angebot und Nachfrage.

Im Juni steht der Confederations Cup an. Die Bundesliga läuft dagegen Sturm. Wie sehen Sie den Stellenwert des Confederations Cups?
Diesen Wettbewerb braucht kein Mensch, den hätte man auch Bananen-Cup nennen können. Der interessiert doch auch überhaupt keinen. Jedes Team schickt da die 2. oder 3.Garnitur hin, es wird nur herumprobiert, wer eventuell die Fähigkeiten für das Nationalteam hat. Anstatt noch ein blödsinniges Turnier zu veranstalten, sollte man den Spielern mehr Zeit zur Regeneration geben. Aber die Prämisse der FIFA ist eine andere, da geht es nur darum noch mehr Geld um jeden Preis zu generieren.

Dieser Beitrag ist zuerst auf sports.bwin erschienen. Dort bekommst du übrigens noch eine Menge mehr Beiträge und Interviews aus der Welt des großen Sports.

Benny Semmler

Als Permanent-Digitaler viel zu viel online. Gern würde ich handwerkern, kochen und was mit Pflanzen können. Kann ich aber nicht. Ansonsten: Joggen. Netflix. Und neuerdings Achtsamkeit. Mal gucken wie das so ist.