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dreitagebuch: lino weint und pommes sind gesund

harry coacht

„Okay, da mach ich mit“, wusste ich. „Kann ja nicht so schwer sein“, dachte ich. „Kinder trainieren ist doch ein Klacks“, war ich der Meinung. „Bis Dienstag dann“, sagte ich und legte den Hörer auf.

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48 Stunden später. Es geht los.

Dienstag:

10.03 Uhr: 25 kleine Menschen stehen vor mir. Lennox, Noah, Scott, Luke – sechs bis neun Jahre alt. Noch ist alles gut, die Eltern sind ja dabei. T-Shirts werden verteilt. Manche kriegen auch Hosen und Stutzen. Je nachdem, wie viel Knete die Eltern überwiesen haben.

10.52 Uhr: Im Fußgängerkorso geht es zum Trainingsgelände. Lino, sechs Jahre, sammelt auf dem Radweg der Hoheluft die ersten Schmetterlinge. Und ist 40 Meter hinter der Gruppe.

11:05 Uhr: Ampel. Wo ist Lino? „Der hockt da drüben“ sagt Luca, großer Bruder des Tiersammlers.

11:20 Uhr: Alle sind am Platz. Auch Lino. Ohne Schmetterling. Tom war der Meinung, dass der sich in Lino’s Händen nur gequält hat. Daraufhin folgte die Schmetterlingsschlachtung. Das sei besser für beide gewesen.

11.30 Uhr: Der Trainingsparcours  ist aufgebaut. Die Übungen könnten beginnen.

11.31 Uhr: Alles ist abgeräumt. Der Start verzögert sich. Die Trillerpfeife kommt erstmals zum Einsatz. Doch Kinder scheinen immun gegen grelle Töne zu sein.

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11.42 Uhr: Die Kinder sitzen tatsächlich vor uns. Wir bitte um Ruhe und erzählen erste Worte zum Ablauf der Tage. Zwischendurch gehen die ersten Arme nach oben zur Meldung – immerhin, gut erzogen die Kleinen. Das wird also schon irgendwie.

11.45 Uhr: Jetzt dürfen die Kinder fragen. Toilettenwege werden erklärt, Mülleimer werden gezeigt und Lino weint das erste Mal. Luke meldet sich: „Harry, Lino weint!“

11.46 Uhr: Lino sagt verrotzt warum er weint. „Der Schwarze hat mich mit Wasser bespritzt.“ Noah lacht. Scheint ein verdammt harter Strahl gewesen zu sein. Er hat es aber überlebt und schmiedet erste Rachepläne.

12.00 Uhr: Wir trainieren. Also die Trainer. Die Kinder interessiert das nicht. Kunstrasen ist viel spannender. „Warum wässern die den nicht, is doch voll heiß heute'“, wundert sich Paul und schiebt die Brille wie ein alter Gärtner zurück auf die Nase.

12.30 Uhr: Erste Zwischendiagnose: 25 verschiedene Kinder, 25 gleiche Bälle. Robert will trotzdem Philipps haben. Tom den von Max. Noah will alle haben und boxt Johann in den Bauch. Jetzt hat er schon vier. Jetzt weint auch Johann. Und Lino noch immer.

13.00 Uhr: Mittag in der Hoheluft-Klause. Spaghetti gibt’s. Carl gibt mir seinen Teller. Ich fülle auf, er sagt „Stop!“. Um mich dann darauf hinzuweisen, dass er keine Nudeln mag. Teller wieder weg. Er kriegt später Pommes. Kind!

13:03 Uhr: Noah mag auch keine Nudeln. Füllt sich aber trotzdem den Himalaya der Nudeln auf den Teller. Um diesen dann in der ganzen Klause zu verteilen. Hinter unserem Rücken.

13.25 Uhr: Carls Pommes kommen. Auf einmal wollen selbst die satten Kinder auch welche. Nudeln hätten nämlich gar nicht geschmeckt, Pommes sind viel gesünder, meinen ALLE. Mittlerweile wurde die Schenke komplett mit Nudeln tapeziert. Noah’s Teller ist jetzt leer.

13:30 Uhr: Es geht auf die Tribüne zum Fussballquiz. Fast so etwas wie Ruhe ist eingetreten. Ich gehe schnell Kaffee trinken.

13.45 Uhr: Zu lange getrunken. Die Zettel liegen unter den Bänken. Lino hat den Kugelschreiber kurz vor seinem Mund. Thies jagt Santino über den gesperrten Rasen. Noah boxt Anton. In den Bauch. Anton weint. Ich denke nur: „Scharbeutz wäre jetzt auch nicht schlecht.“

14.00 Uhr: Beschwerdefreier Rückgang zum Trainingsplatz ist gelungen.

14.57 Uhr: Torschüsse und Dribblings sind absolviert. Manche müde, manche nimmersatt. Wir machen Tempospiele. Damit kriegen wir auch die letzten Mohikaner.

15.30 Uhr: Endphase. Abschlussspiel. Carl spielt Pfosten. Moritz ist pinkeln. Noah boxt Maxi. Anton schießt Tore und Lino zieht an meiner Hose und fragt, ob Eigentore auch zählen. Er habe nämlich gerade eins gemacht.

16.00 Uhr: Feierabend: Die Eltern sind da. Ich liebe sie. Bis morgen.

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Harry Jurkschat

Seit Gründung mit auf dem brennenden BTB-Rasen. Im Gegensatz zu Semmler ist Jurkschat smart. Eine Mischung aus Mehmet Scholl und Günter Netzer. Der ewig 31-Jährige Insiderexperte harmoniert sich von Meppen bis Kiel, ist der Ausbügler und Staubsauger in der 2. Reihe. Dazu kommt aufgrund internationaler Fussball-Erfahrung (6 Länderspiele für Deutschland) Know-How im Wesentlichen. Manko: Bisweilen zu symphatisch und häufig mit den Sekretärinnen beschäftigt.