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Werder vs HSV: Das ungleiche Treffen

Mirko Slomka soll’s als dritter HSV-Trainer in dieser turbulent-historischen Spielzeit richten und den stolzen Hamburger aus der Krise drücken. Um den Schwierigkeitsgrad seiner Aufgabe zu erhöhen, setzte man ihm eine verunsichterte Mannschaft in einem sehr heiklen Vereinsklima vor die Nase. Auf der anderen Seite der Analayse. Dort erklärt ein friedliches Werder-Aufsichtsratsmitglied namens Marco Bode in Interviews, warum Fehler auch im Abstiegskampf erlaubt sein müssen und stärkt den Verantwortlichen an der idyillischen Weser den Rücken.

Groll wie beim gut 100 Kilometer entfernen Rivalen – das gibt’s in Bremen nicht. Der grün-weiße Ansatz lautet: In der Ruhe liegt die Kraft. „Das war in Bremen schon immer so. Nach außen hin wurde immer die Ruhe bewahrt, egal wer gerade verantwortlich war und egal, ob man um den Titel oder gegen den Abstieg spielte“, sagt Marinus Bester, aktueller Teammanager des Hamburger SV und als Spieler für beide Nordclubs aktiv.
Doch lodert in der ewig diskutierten Bremer Ruhe die Gefahr? Ist es zu harmonisch?

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Arnd Zeigler, Stadionsprecher der Bremer und Moderator der Sendung „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, betonte kürzlich in einem Interview mit dem NDR, wie wichtig die Ruhe an der Weser für den Erfolg im Abstiegskampf ist. Er lobte die Fans dafür, dass sie dem Team „Luft zum Atmen geben“. Werders Nummer Eins, Rafael Wolf, selbst von 2004 bis 2009 beim HSV, pflichtete ihm in einem Interview mit dem Bremer Onlineportal kreiszeitung.de bei. Vielleicht sollten die Bremer „Ruhestifter“ ein mahnendes Beispiel im rund 160 Kilometer entfernten  Braunschweig sehen. Dort halten die Verantwortlichen es ähnlich: Ruhe im Angesicht des Abstiegs. Der Lohn: Platz 18,  trotz erkennbarer Fortschritte und dem großen Einsatz aller Beteiligten.
Auch in Bremen ist es bedenklich still. Nur ein glückliches Remis gegen Borussia Mönchengladbach ließ den Verein kürzlich und kurzzeitig explodieren.

Doch gerade jetzt, wo es ernst wird, könnte es entscheidend sein, dass die Hamburger Spieler den permanenten Druck und das Arbeiten unter Extrembedingungen mehr gewohnt sind als die Bremer Fußballkollegen.

„In bestimmten Bereichen könnten sich die beiden Vereine eine Scheibe voneinander abschneiden, aber ich glaube sie haben eben beide ihren eigenen Weg gefunden“, sagt Bester. „In Hamburg war die Erwartungshaltung immer schon eine andere. Da zählen eben gerade für das mediale Umfeld und in der Stadt nur Titel. Schon ein zweiter Platz wird von einigen als Misserfolg gewertet.“
Die Bremer Ruhe hat er als Spieler und Beobachter immer als angenehm empfunden. „Intern gab es auch in Bremen immer wieder Reibereien und klare Worte. Und die braucht es ja auch. Nur nach außen, da haben die Bremer eben immer besonnen reagiert. Und genau das zeichnet sie auch aus“, so Bester.

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Rebecca Winkels

Rebecca Winkels ist ständig unterwegs zwischen verschiedenen Städten, Freundeskreisen und Aufträgen. Von Hause aus Wissenschaftsjournalistin hat die Leidenschaft für den Fußball, das Schreiben und das Filmen sie zu BTB geführt. Dem Lebensziel alle Kontinente zu besuchen kommt sie mit großen Schritten näher (ab April fehlen nur noch die Arktis und Südamerika).