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Transfer- und Kadercheck: Hansa Rostock – Teil 3

Teil 2: VfL Osnabrück

Lange Zeit spielte der VfL Osnabrück in der vergangenen Spielzeit ganz oben mit, dann folgte der jähe Einbruch ins Niemandsland. Trotz der Rückschläge zeigte sich der Drittligist um Konstanz bemüht, denn er hielt auch in sportlich schwierigsten Zeiten zum Trainer. Das könnte sich auszahlen, schließlich darf Maik Walpurgis weiter an seinem eigenen Fundament zimmern.

Tor: Bis gestern hatte der VfL nur einen gestandenen Keeper im Aufgebot, und zwar den 26-jährigen Frank Lehmann, der in der vergangenen Rückrunde zu einigen Einsätzen kam. Positiv aus Sicht des Keepers: Er stand im Tor, als sich der VfL im Frühling wieder stabilisierte und von den letzten zehn Spielen nur noch zwei Partien verlor. Negativ für den gebürtigen Balinger: Der VfL Osnabrück kokettierte bereits früh damit, ein Talent aus dem Umfeld eines Bundesligisten zu verpflichten. Gestern meldete der VfL schließlich Volllzug: Marvin Schwäbe, zuletzt noch bei der U-20 WM im Einsatz, kommt als neuer Anwärter auf den Posten als Nummer Eins aus Hoffenheim und hat aufgrund des Verletzungspechs von Frank Lehmann (3-4 Wochen Pause) die Nase schon jetzt vorne. Schwäbe wird dabei als großes Talent beschrieben, im vergangenen Jahr spielte der Youngster 23mal in der Regionalliga Süd-West.

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Bedarf: Mit dem routinierten Lehmann und dem mit viel Talent gesegneten Schwäbe haben die Osnabrücker eine schwierige Wahl zu treffen. Zwei ähnlich starke Optionen wissen nur wenige andere Drittligisten im Köcher.

Fazit: Die Torhüterposition galt lange als eine der Baustellen im Osnabrücker Projekt von Cheftrainer Maik Walpurgis. Diese wurde just geschlossen und die Erfahrung lehrt: Der VfL stand in den letzten Jahren immer für gute Keeper. 8 von 10 Punkten.

Innenverteidigung: Mit David Pisot und Tobias Willers sind die Osnabrücker, was die Wettbewerbsfähigkeit der Innenverteidigung betrifft, im oberen Drittel der Tabelle anzusiedeln. Beide spielten im letzten Jahr zwar nicht durchweg gut und waren somit auch ein Teil der großen Krise zu Beginn des neuen Jahres, doch bewiesen die erfahrenen Abwehrrecken zu genüge, dass sie eine Hintermannschaft im Zentrum förmlich verriegeln können. Dazu kommt mit dem Italiener Davide Grassi ein weiterer Innenverteidiger, der zunächst einen schlechten Start erwischte, sich aber am Saisonende mehr und mehr in die Mannschaft integrierte, als er die Vertretung für den nach rechts ausweichenden Pisot übernahm.

Bedarf: Nicht vorhanden.

Fazit: Zählt man den Sechser → Christian Groß noch dazu, der ebenfalls in die Abwehrzentralle einrücken kann, sofern ein personeller Notstand entstünde, sind die Osnabrücker nicht nur in der Spitze, sondern auch in der Tiefe sehr ordentlich besetzt. 13 von 15 Punkten.

Außenverteidiger: Auf der linken Seite spielte beim VfL eine echte Vereinsinstitution. Alexander Dercho ist seit Jahren einer der Schlüssel- und Führungsspieler an der Bremer Brücke. Während Dercho, wenn fit, fast immer gesetzt ist, hat es der zweite gelernte Linksverteidiger Michael Hohnstedt schwerer. Auch er hat das Zeug zur Stammkraft hinten links, spielt aber meistens aufgrund Derchos unbestrittenem Status auf der offensiveren Position im linken Spielfeld.

Auf der anderen Seite improvisiert Walpurgis gerne. David Pisot kann nicht nur einen starken Innenverteidiger mimen, sondern auch klasse die rechte Flanke verteidigen. Dazu kommt mit Stephan Thee ein Mann aus dem rechten Mittelfeld, der den Posten als Rechtsverteidiger ebenso solide ausfüllen kann und das in der Vergangenheit auch tat. Mit Kim Falkenberg steht eine weitere Personalie im Aufgebot, die es allerdings schwer haben dürfte, sich auf Anhieb in die Start-Elf  zu spielen.

Bedarf: Auf dem ersten Blick erscheinen die Positionen dürftig besetzt, ein Blick in die Details verrät aber, dass die Osnabrücker mit viel Flexibilität jede Defensiv-Position auf einem ähnlichen Niveau doppelt besetzen können. Es gibt demnach keinen zwingenden Bedarf.

Fazit: Osnabrück ist auf den Außenverteidigerpositionen vielleicht keine absolute Spitzenmannschaft, befindet sich aber dennoch in einer zu vielen Konkurrenten sehr manierlichen Position. 11 von 15 Punkten.

Defensives Mittelfeld: Ein Prunkstück im Spiel der Osnabrücker: Mit Simon Tüting, der im Winter aus der 2. Bundesliga in die alte Heimat zurückkehrte, Sofien Chahed, dem unangefochtenen Nicolas Feldhahn sowie den universal platzierbaren Groß hat Trainer Walpurgis die Qual der Wahl. Dazu gesellt mit Tom Christian Merkens ein Profi, der nach langer Leidenszeit ebenfalls in den Dunstkreis der Startelf zurückkehren möchte. Merkens, der über ein Jahr am Stück verletzt ausfiel, bewies in seiner ersten Drittligaspielzeit 2013/14, dass er das Zeug zur Stammkraft in der kampfbetonen Liga hat. Summa summarum macht das fünf Spieler für zwei Positionen.

Bedarf: Egal wie Walpurgis die Zentrale besetzen will – er hat bereits jetzt mehr als genug Auswahl, um sich auszuprobieren und die bestmögliche Lösung zu finden.

Fazit: Tüting, Feldhahn, Groß – rufen sie ihr volles Potenzial ab, dürfte sich so mancher Konkurrent an diesem Mittelfeldgespann die Zähne ausbeißen. 14 von 15 Punkten.

Offensives Mittelfeld: Er wird zurückkehren – nach dem Massimo Ornatelli die Rückrunde aufgrund Sperenzien um einen geplanten Wechsel nach Münster aufgrund seiner Suspendierung verpasste, bekommt der Mann fürs Offensive Mittelfeld eine neue Chance. Um Startelfeinsätze balgt sich der Deutsch-Italiener dabei mit Kräften wie Marco Alvarez, Marcel Kandziora und den flexibel einsetzbaren Thee und Hohnstedt, während zudem der junge und mit viel Talent gesegnete Odenthal mit einer größeren Rolle flirtet. Pascal Richter, der als Perspektivspieler aus dem Unterbau von Bayer Leverkusen gelotst wurde, wird aller Voraussicht nach zu Beginn eine Nebenrolle einnehmen.

Wirklich herausragend liest sich der Mannschaftsteil nicht, eben weil es kaum den einen Offensivspieler gibt, der aus der groben Masse heraussticht. Wie Ornatelli nach einem halben Jahr Pause zurückkehren wird, ist darüber hinaus gänzlich offen. Positiv: Fast alle verfügbaren Kräfte erledigen verlässlich ihre Aufgaben, setzten das vom Trainer geforderte Schema um. Was fehlt, ist der ganz große Individualist. Um Tiefe muss man sich dagegen in Osnabrück kaum sorgen.

Bedarf: In der Breite ist das Aufgebot stimmig, es sollte allenfalls nach Qualität in der Spitze gefahndet werden. Es fehlt das besondere „Etwas“.

Fazit: Dass der Sechser Feldhahn im letzten Jahr der produktivste Mittelfeldmann im Lila-Dress war, spricht für sich und gegen die Offensivspezialisten. 9 von 15 Punkten.

Sturm: Das Traum-Duo ist zerbrochen. Menga und Iljutcenko – diese Kombination produzierte im letzten Jahr zu gleichen Teilen stolze 26 Tore und 18 Vorlagen. Der jüngere der beiden, Iljutcenko, verabschiedete sich im Sommer folgerichtig in die 2. Bundesliga. Menga bleibt und wird wieder für 10 Tore plus x gut sein. Der Publikumsliebling hat ein sagenhaftes Drittligacomeback gefeiert und sollte zu Beginn die besten Ansprüche auf einen Startelfplatz erheben dürfen. Dazu angelten sich die Niedersachsen mit → Halil Savran einen kampfstarken Stürmer von der Ligakonkurrenz aus Rostock. Savran agierte in der Rückrunde produktiv, deutete mit fünf Toren und drei Vorlagen an, dass er nicht nur kämpfen, sondern auch Tore schießen kann. Der Berliner, der sich früh auf Osnabrück als künftigen Arbeitgeber festlegte, besitzt dabei Qualitäten, die viele Fans verkennen, Trainer jedoch schätzen. Nicht umsonst titulierten ihn ehemalige Teamkollegen als „ersten Verteidiger“ in der Arbeit nach hinten.

Mit Franky Sembolo gesellt zu den beiden Routiniers ein weiterer erfahrener Stürmer. In den letzten Monaten lief es für den Kongolesen bescheiden, seinen Zenit, den er mit Regensburg in der 2. Bundesliga erreicht hatte, scheint er durchschritten zu haben. Aber auch ein Sembolo kann, sofern er verletzungsfrei bleibt, gut und gerne zweistellig treffen.

Bedarf: Savran und Sembolo müssen stand jetzt den Iljutcenko Verlust gemeinsam auffangen. Eine weitere Auffrischung würde definitiv nicht schaden. Probetrainierer Max Wegner, der im letzten mit Werder Bremen II aufstieg, könnte dafür eine adäquate Lösung sein.

Fazit: Der Sturm ist zunächst einmal ausgeglichen besetzt: Menga, Savran und Sembolo haben so durchaus das Rüstzeug, zusammen um die 30 Treffer beizusteuern. Eine Option wäre es, den Oldie-Sturm mit jungem Blut aufzufrischen. Vorbilder, von denen talentierte Leihspieler lernen könnten, gibt es in durch die teils sehr unterschiedlichen Spielertypen in diversen Ausprägungen.11 von 15 Punkten.

Trainer: Maik Walpurgis hatte ein schweres Jahr zu bewältigen. Lief der Motor zunächst noch wie geschmiert, geriet sein Team in eine schwere Schaffenskrise. Der Verein sprach ihm die Treue aus, und Walpurgis, der in Lotte Großes geleistet hatte, zahlte mit dem versöhnlichen Saisonende zurück. Walpurgis gilt als harter Arbeiter, bewies in Lotte dazu die Fähigkeiten, aus bescheidenen Mitteln etwas aufzubauen. Mit Sicherheit in gehört der 41-Jährige in das obere Tableau der Drittliga-Trainer. 9 von 10 Punkten

Bewertung der Transferaktivitäten: Mit Heuer Ferndandes und Iljutcenko hatte der VfL Osnabrück zwei prominente Abgänge zu beklagen, mit Savran wurde zumindest auf den Abgang in der Offensive reagiert. Ornatelli ist darüber hinaus ein gefühlter Neuzugang. Die Torhüterposition wurde mit Talent ergänzt, Mittelfeld und Sturm könnten noch veredelt werden. Besonders positiv: Die Osnabrücker arbeiten kontinuierlich, vermeiden einen unnötigen Umbruch eines im Grunde bereits homogenen Kaders. 4 von 5 Punkten.

Gesamt: 79 von 100 Punkten

→ Zur Kaderanalyse von Werder Bremen II
→ Zur Kaderanaylse von Holstein Kiel

Hannes Hilbrecht

Hannes Hilbrecht schreibt und schrieb nebenbei für ZEIT ONLINE, NDR.de und den Berliner Tagesspiegel. Füllt ein Marketing-Magazin mit Liebe (GrowSmarter.de) Und er liest eine spannende Case Story genauso gerne wie den neuen Roman von Ralf Rothmann.